Tag Archives: Zürich

Ich bin nicht unzuversichtlich

Der «Tages-Anzeiger» widmet sich heute unter anderem der Umstrukturierung der Zürcher Voksschule. Unter dem mehrdeutigen Titel
Schulvorstand wünscht sich offenere Lehrer
lesen wir über den Reform-Widerstand der Lehrerschaft und die Ansichten von Stadtrat Gerold Lauber, «Schulvorsteher» der Stadt Zürich (welche bekanntlich das «Gartenbauamt» in «Grün Stadt Zürich» umbenannte, und das «Personalamt» in «HR Stadt Zürich». Schön, dass [...]

Umsteigebeziehungen

Wer liest, lernt dazu. Unter Umsteigebeziehungen hätte ich bis heute besonders komplizierte Fernbeziehungen mit mehrmaligem Umsteigezwang vermutet. Doch nun werde ich eines Besseren belehrt: Es geht um die Feinheiten des öffentlichen Verkehrs. In diesem Fall sogar um den komplexen Zusammenhang zwischen Haltestellenflucht und Fahrplanerosion. Denn in einem typischen Sommerloch-Artikel hat der «Tages-Anzeiger» am 7. August [...]

Wurstpolizei

Die aktuelle Sommerposse der Zürcher Verwaltung (vgl. «Feuerverbot») sorgt für Unverständnis, aber auch für sprachliche Innovation. So griff man auf der «Blick»-Redaktion tief in die polizeilinguistische Kiste und prägte einen erheiternden Titel:
Joseph Kaiser flieht über die Reuss in den Aargau: «Die Wurstpolizei kriegt mich nie!»
Entgegen des Neologismus-Verdachts hat der «Blick» damit keine sprachliche Eigenleistung [...]

Feuerverbot

Das «Feuerverbot» inklusive Raketen-Moratorium, welches in diesen Tagen die Frontseiten der Zürcher Presse ziert, tönt vorerst nach einem Schönen Wort. Man denke bloss an den Nahen Osten. Doch falsch getippt! Es geht um das Vermeiden von Waldbränden. Die kantonale Verwaltung hat deshalb ein Brätel- und Grillverbot erlassen, das sich selbst auf holzkohlebasierte Balkon-Grills erstreckt. Begründung: [...]

Niederschwellige Seelsorgeangebote

Der Shopping-Moloch Sihlcity wird als erstes Schweizer Einkaufszentrum über eine Kirche bzw. einen Andachtsraum verfügen (Bericht im «Tages-Anzeiger«). Die drei grossen Zürcher Kirchgemeinden haben kundgetan, mit diesem ungewöhnlichen Angebot «näher zu den Menschen» aufrücken zu wollen. Und die sind bekanntlich häufiger im Konsumtempel anzutreffen als im Münster.
Im «Tagblatt der Stadt Zürich» vom 12. Juli [...]

Moral tanken

Ex-Regierungsrätinnen sprechen von politischer Verantwortung, Ökonomen von nachhaltigem Engagement und unverzagte Theologen immer noch von Nächstenliebe. Die Moral dagegen ist eher out. Wie schön, dass sie sich im «Anzeiger für den Bezirk Affoltern» wenigstens im Sportteil finden lässt. Einen Bericht über den Match FC Zürich - Rapid Bukarest, welchen die Zürcher 2:0 gewannen, überschrieb die [...]

Übersetzungswettbewerb: The boat is full!

Ich habe mich schon des Öftern über «Denglisch» mokiert, die unselige Verquickung von englishwords mit der deutschen Language. Neu kann ich auch ein Beispiel für «Genglish» präsentieren, also die Rache der deutschen Sprache an der englischen. Oder ists umgekehrt?

Das Original kann an der Schiffsanlegestelle Landesmuseum, einen Wörterbuchwurf vom HB Zürich entfernt, integral besichtigt werden. Bei [...]

Artikel zur Böögg-Entführung

Für die aktuelle Ausgabe von «mindestens haltbar» dem Online-Magazin von Knallgrau, habe ich die Nabelschau aus der Schweiz verfasst. Der Text «Rettende Entführung» handelt vom Böögg (für Ausländer Ausserkantonale: dem einzigen offiziellen Strohmann der Bankenstadt Zürich), dessen Verbleib nach wie vor unklar ist.
Taucht der Böögg am 1. Mai wieder auf? Und was geschieht mit [...]

Scheiter-Gasse

Der Erfolgszwang ist allgegenwärtig. Wir sollen erfolgreich abnehmen, erfolgreich smalltalken (ein Oxymoron?) und erfolgreiche Lohngespräche führen. Eines der bekannteren Zeitplanungssysteme, die früher schlicht Agenda genannt wurden, heisst «Succès.»
Die Erfolgs-Doktrin lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: Scheitern ist im Lebensplan nicht vorgesehen.
Wie erfrischend ist da ein gelegentlicher Gang durch das Zürcher Niederdorf! In nächster Nähe [...]

finale Auswahl

Die leere, in ungenutzer Pracht daliegende Halle des Zürcher Hauptbahnhofs ist in den Augen des Monarchen einer der wenigen freien Räume in der Zwinglistadt. Schade nur, dass selbige Halle kaum einmal ihre Weite zeigen darf, sondern permanent mit Skischanzen, Rutschbahnen, Schwingerringen, Marktständen, Kinosälen und ähnlichem Plunder zugestellt wird.
Ein besonders hässliches Beispiel dieser Angst vor [...]