Tag Archives: Zürich

deanonymisieren

Die 1. Mai-Krawalle in Zürich bringen viel Sachschaden und ein kurioses Verb:
Die Zürcher Polizeidirektorin Esther Maurer zeigte sich befriedigt über die hohe Zahl der Verhaftungen. Es gehe darum, gewaltbereite Menschen zu deanonymisieren, sagte sie.
(Quelle: Tages-Anzeiger»)
Wie so viele Verben wäre deanonymisieren gleichzeitig als Schönes und als Schlimmes Wort zu klassieren. Neben der orwellschen Konnotation könnte es [...]

Drängelräume

Die ebenso erfolgreiche wie überfüllte Zürcher S-Bahn soll mit einer zweiten Staffel neuer Züge entlastet werden. Der «Tages-Anzeiger» berichtet heute:
Um [2013] genug Rollmaterial zu haben, schreiben die SBB bereits heute eine Bestellung für 60 weitere S-Bahn-Kompositionen der dritten Generation aus. Sie sollen komfortabel, vollklimatisiert und 160 km/h schnell sein sowie im Eingangsbereich spezielle «Drängelräume» haben.
Ein [...]

Wir verben Zürich

«Wir leben Zürich», der neue Slogan für die Euro 2008 (TM) Host City (TM) Zürich, ist evident doof. Stadtpräsident Elmar Ledergerber meint, der Satzstummel «bringe Lebensfreude und Optimimus zum Ausdruck». Nun ja. Wir hätten eher auf Artikulationsschwierigkeiten getippt. Denn der frühere Werbespruch «Downtown Switzerland» war wenigstens konsequent arrogant. Der neue ist bloss beliebig. Wir leben [...]

Strahlenalarm

Die Zürcher Freibäder werden immer gefährlicher: Nachdem vor kurzem im Anstrich der Schwimmbecken krebserregende Stoffe entdeckt wurden, hat die «NZZ» im kürzlich sanierten Freibad Seebach nun auch noch Strahlung festgestellt:
Die Qualität der Sanierung bemisst sich an der Tatsache, dass die Anlage wieder den Anschein selbstverständlicher Zeitlosigkeit verstrahlt.
Hoffen wir, dass es sich lediglich um einen syntaktischen [...]

Taubenjagd

Der Kanton Zürich ächzt unter seinem Defizit und setzt die ordentliche Lohnerhöhung für seine Angestellten einmal mehr aus. Der gestrige Tages-Anzeiger rapportiert uns von der Ratsdebatte auch ein schiefes Bild:
[Kantonsrat Stefan Feldmann (sp.) meint:] Der Kan­ton müsse die aufgelaufenen Lohnausfälle des Staatsperso­nals – rund 20 Prozent in den letzten fünfzehn Jahren – Schritt für Schritt [...]

Zwinglisch

Das «Tagblatt der Stadt Zürich» berichtet in seiner Ausgabe vom 21. November über den Zürcher Anglizismenwahn (Artikel online nicht frei zugänglich). Für Auswärtige: In Zürich wird nicht zu Mittag gegegesen, sondern geluncht, und natürlich verlangt auch kein Chef mehr nach einer kurzen Zusammenstellung, sondern nur noch nach einem One-Pager. Wenigstens lässt sich diese Unsitte jetzt [...]

Lebensraumbereiche­rung

In seiner heutigen Ausgabe berichtet der «Tages-Anzeiger» über die Wölfe im Zürcher Zoo. Das Besondere: Einmal pro Monat dürfen die Viecher durch das Tigergehege streunen. Die ungewohnte Umgebung, die zahlreichen Duftspuren und wohl auch das Wissen, ungestraft beim Nachbarn herumschnüffeln zu dürfen, sorgen für grosse Aufregung. Und zwar bei den Wölfen wie auch bei den [...]

Fensterturnen

«Zürich ist gebaut», lautet das berühmte Zitat von Ursula Koch, der erfolglosen früheren Stadtbaumeisterin. «Zürich wird gebaut» scheint das Motto der aktuellen Stadtregierung zu sein. Hochhäuser will sie sehen, auch hässliche oder an den Instanzen vorbeigemogelte.
Bei so grossem Höhendrang verlieren die Baumeister im Stadtrat zuweilen auch den sprachlichen Boden unter den Füssen. Dies besonders, [...]

Die Kultur des Türaushängens

Wenn es um das sozial kompatible Zusammenleben geht, ist viel von Kultur die Rede. So wird zum Beispiel eine Kultur des Dialogs verlangt, eine Kultur der Offenheit oder gerne auch eine Kultur des Wandels. Wer nach solchen Aufforderungen stumm bleibt, sich verschlossen oder starrsinnig gibt, kann natürlich keine Kultur haben. Er gilt dann [...]

FreiraumplanerIn

Vom Marsch durch die Institutionen, manchmal auch als Ausverkauf bezeichnet, liest man heute nur mehr selten. Halt, Stop, Jargon-Alarm!
Eine kurze Phrasen-Erklärung für unsere jüngeren Leser: Der erwähnte Marsch bezeichnet die soziale und wirtschaftliche Karriere der einstigen DemonstrantInnen, AktivistInnen und was zwischen 1965 und 1974 noch alles an Binnenmajuskeln zu vergeben war. In Kurzform: Junge [...]