Mit der «sekundengenauen Abrechnung» aller Festnetzgespräche wollte ein dynamischer junger Herr soeben mein Leben verbessern. Was ich natürlich abgelehnt habe. Haben wir etwa die Stempeluhr abgeschafft, die Überzeit legalisiert und die Work-Life-Balance gefeiert, um wieder zu Erbsenzählern zu werden?
Omnes vulnerant, ultima necat («Alle verwunden, die letzte tötet») steht bis heute unter der einen oder anderen [...]
Unter dem urschweizerischen Namen «Stop Piracy» wurde heute eine Kampagne gegen «Produktepiraterie» lanciert. Nun ist die sprachliche Unbeholfenheit der Industrieverbände dem Monarchen schon lange bekannt. Der Slogan der neuen Kampagne aber strapaziert seine Geduld:
Raubkopien und Fälschungen sind ein schlechter Sport: Keine Spielregeln, viele Fouls und nur Verlierer
Behandeln wir dieses semantische Foul mit einer Fünfpunkte-Massage: Erstens [...]
In der «Welt» bespricht Hendrik Werner den Wettbewerb, mit dem «das schönste bedrohte Wort» gekürt werden soll. Nun sind Schöne Wörter, ob bedroht oder nicht, eine Geschmackssache. Und ein offiziell gekrönter Anachronismus erst recht. Vor allem, wenn er zur Vermeidung seines natürlichen Todes künstlich beatmet wird. Was aber nützt der deutschen Sprachgemeinschaft ein beglaubigtes Retro-Wort, [...]
Das Wort «Rentner» ist tabu geworden, die «Rentnerschwemme» hat es 1996 zum Unwort des Jahres gebracht. Heute spricht man von Senioren - aber sicher nicht von Alten, wie Herr Sprechtakel schon vor einiger Zeit bemerkte. Umso dreister - oder mutiger? - springt einem ein Titel des gestrigen «Tages-Anzeigers» entgegen:
Stierkämpfe verkommen zum Rentneranlass
Die Tierschützer wird das [...]
Die Unwörter sind selbst schon zum Unwort geworden. Zuträglicher sind die Wörter des Monats, lanciert von der «Aktion lebendiges Deutsch». Mit überzeugenden Beispielen erklärt die Trägerstiftung auch noch gleich, was unter einer erfolgreichen oder misslungenen Fremdwort-Importen zu verstehen ist. Für Schweizer Ohren dürfte das Perron trotzdem hübscher tönen als der Bahnsteig.
Im Gespräch mit der ZEIT äussert sich Karen Heumann, Strategiechefin der Werbeagentur Jung von Matt, über Individualität, Kreativität, Rollenbilder und einiges mehr (Ausgabe vom 19. Januar 2006, online nicht frei zugänglich). Das häufigste Wohnzimmer Deutschlands (vgl. «extravertiert») entpuppt sich als ihre Idee. Frau Heumann sieht dieses
«als Fitnessübung für unsere Trainees, damit der Neugiermuskel trainiert wird.» [...]
Die WOZ widmet sich in ihrer Ausgabe vom 19. Januar unter anderem dem Phänomen des Functional Food (auch so ein schönes deutsches Wort).
Offenbar dürfen makrobiotisch aufgebohrte Joghurts nicht als Medikamente (bzw. Heilmittel) bezeichnet werden. Stattdessen weisen die Nahrungsmittelkonzerne in erstaunlichen Worten auf den «Zusatznutzen» ihrer Produkte hin. Ein Beispiel ist Unilever, dessen Becel-Margarine als
ideal für [...]