Tag Archives: Sprachpflege

Dummheitsfilter für PR

Ich liebäugle gerade mit einer Weiterentwicklung des Dummheitsfilters. Liesse sich dieser auf Wortarten konfigurieren, könnte er nämlich überladene PR-Texte in fast lesbares Deutsch verwandeln. Zum Beispiel diesen repräsentativ doofen Satz aus einer Pressemeldung über ein Telefon:
Mit dem annabelle-Paket erhalten die Frauen das stilvolle SonyEricsson S500 Bronze Slidermodell mit speziellen anabelle-Inhalten, einem trendigen Bluetooth-Kopfhörer, einem [...]

Bandwurmsatzrekordverdacht

And now for something completely different: Zwei Sätze aus einer Pressemitteilung der Standeskommission Appenzell Innerrhoden eignen sich für einen Sprach-Workshop.
Die Standeskommission nimmt mit Befriedigung vom Bericht und der Abrechnung des Gesundheits- und Sozialdepartementes Appenzell I.Rh. zu dem von den Bezirken Schlatt-Haslen und Appenzell mit Unterstützung eines Beschäftigungsprogramms für Asylsuchende und ausgesteuerte Arbeitslose in den Monaten [...]

Geo zur Sprache

Mein Tipp kommt spät und sei endlich nachgeholt:Die Oktober-Ausgabe von «Geo Wissen» ist eine Fundgrube für Sprachmenschen. Das Heft bietet gut recherchierte und geschriebene Artikel über Simultandolmetschen in der EU-Kommission, Aphasie, Grammatik, Spracherwerb bei Kindern, neue Lernformen im DaF-Unterricht, Gebärdensprache, den Sog des Elbischen und vieles mehr (Inhaltsverzeichnis). Dazu gibts auch noch einen Stammbaum [...]

Rezension: «Von Aldianer bis Zauselquote»

Der deutschen Sprache gehts dreckig. Ihr Wortschatz wird von Anglizismen zersetzt, ihre Sprecher fallen vor Fernsehkameras der Alalie anheim und ihre Grammatik verkommt zum Dativ-Genitiv-Kalauer. Das ist, kurz gesagt, die Haltung der Feuilletons.

Sprachverirrungen

Die «Zeit» berichtet über den Nachfolger der «Dummdeutsch»-Bücher. Das «Lexikon der Sprachverirrungen» von Walter Krämer und Roland Kaehlbrandt befasst sich mit der «Ganzjahrestomate» und anderem Plastikdeutsch. Dazu gehört auch das Umsetzen:
Von dem alten Verb «umsetzen» gibt es jetzt eine managerdeutsche Umsetzung. Dem Umsetzen von miteinander schwatzenden Schulkindern oder Zuckerrüben ist das «Umsetzen» von Philosophien und [...]

Anglizismen reloaded

Als der «Spiegel» letztes Jahr «dem Deutsch» retten wollte, bediente er sich wackliger Argumente und einer grauslichen Sprache. In der «Zeit» finden wir heute einen besseren Versuch: Jens Jessen wettert in seinem Manifest «Die verkaufte Sprache» nämlich nicht über Werbeslogans, sondern über die Grossmannssucht, die hinter dem Gebrauch dämlicher Denglisch-Wörtchen steckt:
[Der Importeur englischer Leerformeln] will [...]

Arrieregarde

In meiner Sommerlektüre stiess ich dieser Tage auf ein hübsches Wort:
Die Abteilung wurde von einer Avantgarde und einer Arrieregarde gesichert. Seitwärts, rechts und links von der Marschkolonne ritten Patrouillen, und die Offiziere suchten das bebuschte Gelände immer wieder mit Gläsern ab. Besonders der Schwanebach. Dem schien das Glas unter die Stirn gewachsen zu sein.
(Uwe Timm, [...]

schulpflegen

Ein Winterthurer Lehrer wurde vier Wochen vor der Pensionierung freigestellt, weil er einen Schüler geschlagen hatte. Am 25. Juni erschienen im «Tages-Anzeiger» zu diesem Vorfall zwei Leserbriefe unter der Schlagzeile
Lehrer freigestellt statt schulgepflegt
Eine schöne Verbung! Die Schulpflege, das abstrakte Organ, wird jetzt auf einmal greifbar: Wer Probleme hat (oder bereitet), wird schulgepflegt. Natürlich lässt [...]

Blümerante Prämierung

Nun ist das «schönste bedrohte Wort» also gekürt: «Kleinod» heisst der Gewinner, gefolgt von «blümerant» und dem «Dreikäsehoch». Auf «Spiegel Online» berichtet Bodo Mrozek, Herausgeber der beiden «Bedrohte Wörter»-Bücher, über die Jurierung.
Anfang Jahr hatte ich hier bereits kurz über den Wettbewerb geschnödet. Mein Unbehagen ist geblieben. Denn was wird jetzt mit den paar herausgepflückten [...]

feilhalten

Mit einem feinen Gespür für Nuancen berichtet die SDA von der Zürcher 1. Mai-Kundgebung:
Musik ist aus den mitgeführten Lautsprechern zu vernehmen. Rote Fahnen wehen (…). Am Rande des Zuges halten zahlreiche Aktive 1.-Mai-Abzeichen, Traktanden und Broschüren feil oder verteilen den Zuschauenden Flugblätter.
Ein 1. Mai-Abzeichen zu verkaufen ist vermutlich ebenso ein Fauxpas wie das Bestellen einer [...]