Tag Archives: Schwurbel

Die Wichtigkeit der Rolle für die Rolle

Auf der Frontseite von «Alpha», dem Kader-Stellenmarkt des «Tages-Anzeigers», wird gern Wortstroh gedroschen. Jede Woche beglücken uns die Wichtigen der Wirtschaft mit ihren vermeintlichen Erkenntnissen - und das entweder im Ton der absurden Management-Bücher («Zieh dem Elefanten keine Socken an») oder der gehobenen Heissluftproduktion («Wichtigkeit von Motivationsfaktoren für die innerbetriebliche Zufriedenheitsverbesserung»). Letzte Woche blieb mein [...]

Produktion

Wenn Peter Röthlisberger, Präsident der Schweizer Geflügelproduzenten, zur erfreulichen Erholung des Poulet-Marktes Stellung nimmt, darf man seine Worte nicht auf die Eierwaage legen:
Wegen des Einbruchs der Nachfrage aufgrund der Vogelgrippe wurden die Geflügelbestände im letzten Jahr stark reduziert. Nun fehlten in der ganzen Schweiz Mastküken, sagte Röthlisberger. Die Produktion werde überall wieder möglichst rasch [...]

Sprach-GAU

Die Atomenergie hat uns zahlreiche Schlimme Wörter beschert - man denke bloss an den Störfall, das Restrisiko oder den GAU. Zur Erinnerung: Der Grösste Anzunehmende Unfall geschieht, wenn sich infolge eines Störfalls das Restrisiko nicht mehr vermeiden lässt.
Zusammen mit der Atomernergie scheint nun auch der GAU wieder im Aufwind zu sein. Der Schweizer Datenschutzbeauftragte [...]

Begrifflichkeit

Neulich, im Zug, eine Diskussion zwischen A und B:
A: Das ist doch nicht Kultur.
B: Doch, doch.
A: Was bitte hat das mit Kultur zu tun?
B: Das ist eine Frage der Begrifflichkeit …
Früher reichte es noch, vom Kulturbegriff zu sprechen (vgl. dazu unbedingt Franz Hohlers Geschichte) - aber was solls. Wer etwas auf sich hält, übt [...]

Individuell massgeschneidert

«Massgeschneidert» gehört zweifellos zu den Schlimmen Wörtern. Alles ist heute massgeschneidert - Laufschuhe, Kehrichtpressen, Finanzberatungen und bald wohl auch das Hundefutter. Immer lauter wird das Geschrei der Firmen, die gutes Schneiderhandwerk versprechen und doch nur Konfektion abliefern. Denn mit einer echten Massschneiderei hat das «freie» Kombinieren von definierten Optionen nicht mehr viel gemein. Macht doch [...]

Kommunikationsherausforderungen

Computer sind kompliziert. Das findet auch die Credit Suisse und lagert einen Teil dieses Ärgers an die Swisscom und die British Telecom (BT) aus. In einer Meldung des Netztickers stossen wir auf viele reanimierte Wörter aus der Web 1.0-Blase: Von Outsourcing ist die Rede, von transferierten Mitarbeitern, Kernregionen und einer reibungslosen Projektumsetzung. Spannend ist [...]

Deutsch als Challenge

Als Beilage zum «Tages-Anzeiger» ist leider «Swiss Leader - Das Magazin zum Swiss Leadership Forum» im Briefkasten gelandet. Schon das Titelbild lässt nichts Gutes vermuten, denn unter dem Bild eines Freikletterers lesen wir:
Charismatische Top-Referenten am Swiss Leadership Forum 2006
Jetzt sind die Topexperten also auch noch charismatisch geworden. Ob ein normaler Mensch die Begegnung mit ihnen [...]

Existenziellstes und Wesentlichstes

Im «Tages-Anzeiger» von gestern lesen wir ein kulturelles Dampfgeplauder mit Superstlativen:
Der Zürcher Jürg Amann fasst in «Zimmer zum Hof» Existenziellstes und Wesentlichstes – das Lieben, das Sterben, die Lust und die Illusion davon, den Stoff halt, woraus sonst die Romane sind – in die kleine Form individueller Novellchen.
Wenn das Leben, Lieben und Sterben nicht mehr [...]

Phrasendreschmaschine

Eine gepflegte, lebendige Sprache ist schwer zu imitieren. Deshalb blamieren auch die heutigen Übersetzungscomputer ihre Besitzer. Einfacher ist da schon das Imitieren heisser Luft, also möglichst sinnfreier Koppelungen von Adjektiven und Nomen. Mit der Phrasendreschmaschine lässt sich für die Karriere bei McKinsey oder Accenture schon mal üben.
Viel Vergnügen und gute Geschäfte.

qualitativer Detailhandel

Nelly Wenger, einst für die Gestaltung der Expo gerühmt, macht sich dieser Tage mit der Neulancierung der ehrwürdigen Cailler-Produkte unbeliebt. Auf Plakatwänden und Inserateseiten prangen merkwürdige Gebilde, die erst beim zweiten Hingucken als Schokolade zu erkennen sind. So gibt es beispielsweise mattschwarze Schokoladekuben, die mich an die Ork-Schlösser in Mordor erinnern. Doch lassen wir diese [...]