Ich war einige Tage in Hamburg und habe gesammelt. Zum Beispiel Sätze wie diese:
1. Die Angestellte einer Bäckerei nach meiner Ein-Euro-Bestellung, in einem bühnenreifen Ton: «Ausserdem?»
2. Das T-Shirt einer Verkäuferin in einem schönen Geschäft mit schlimmer Website: «ICH ENTSCHULDIGE MICH FÜR UNSERE HOMEPAGE».
3. Ein Obdachloser in der U-Bahn, eben zugestiegen, an die noch gähnenden Passagiere: [...]
Gegensätze ziehen sich an. Deshalb verfallen Kreative ab und zu aufs Dumpfe. Im Sommer heisst es dann: «Kühle Drinks für heisse Tage» oder «Heisse Tage – Coole Mode». Und im Winter? Das ist wohl klar: «Kühle Tage? Heisse Sandwiches!».
Neulich, im Zug, eine Diskussion zwischen A und B:
A: Das ist doch nicht Kultur.
B: Doch, doch.
A: Was bitte hat das mit Kultur zu tun?
B: Das ist eine Frage der Begrifflichkeit …
Früher reichte es noch, vom Kulturbegriff zu sprechen (vgl. dazu unbedingt Franz Hohlers Geschichte) - aber was solls. Wer etwas auf sich hält, übt [...]
«Weine zu trinkbaren Preisen» verspricht das Reklameschild im Zürcher Niederdorf mit leicht verbogener Semantik. Und nachdem der Passant seinen Lachreflex unterdrückt hat, erscheint ihm das Versprechen nicht mehr absurd, sondern kreativ. Denn trinkbare Weinpreise lassen sich wenigstens schlucken.
Es gibt viele überflüssige Graffiti, aber auch ein paar Perlen. Zu finden bei Pictures of Walls.
Die lästigen Popup-Fenster werden in den meisten Browsern automatisch unterdrückt. Das Verb Wegklicken hat sich für all jene Elemente und Websites gehalten, die lästig, unpassend, verabscheungswürdig, doof usw. sind.
Deshalb zuckte ich heute leicht zusammen, als ich eine Dame zwei Zugsabteile weiter mehrmals und deutlich in ihr Handy sprechen hörte: «Ich han dir aaglütte und du [...]
Auf den deutschen TV-Kanälen ist gerade von Hypothesen die Rede. Oder von Tatsachen? So lautet eine beliebte Moderatorenfrage:
«Was würden Sie tun, wenn Deutschland Weltmeister wird?»
Wenn die Sache schon so klar ist, darf man das auch fragen. Falls der Match dagegen nicht abgekartet sein sollte, könnte allenfalls auch ein anderes Land Weltmeister werden.
Ein Wort, das es eigentlich nicht geben dürfte. Oder nur als Argument pro Schuluniform.
Aber schliesslich sind wir hier in Zürich. Und ja, das Geschäft liegt nur einen Steinwurf von Jelmoli entfernt.
Wie viel geben Sie jedes Jahr für Ihre Wohnungsmiete aus? Für Ihre Krankenkasse? Für schlechten Kaffee? Wahrscheinlich zu viel. Die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten erreichen Höhen, die eher für Pleitegeier als Menschen geschaffen sind. Trotzdem geht es uns gut,
solang am Morge gäng e nöiie Tag afaht
solang no Chole chöme we me ds Chärtli inelaht
wie Züri West [...]
Seit den Tamagotchis ist bekannt, dass Menschen auch zu elektronischen Geräten eine fürsorgliche Beziehung aufbauen können. Trotzdem sind Kosenamen für technische Geräte verpönt. Dies dachte ich zumindest, bis ich sah, wie ein ermatteter Mountainbiker sich an seinem Rucksack zu schaffen machte. Auf die dringende Aufforderung seiner Freudin, sich nun zu ihr zu setzen, antwortete er:
«Jaja, [...]