Tag Archives: Literatur

Zur Stadt Zürich

Vor der Uni, wo auch heute wieder der Tod des Autors verhandelt wurde, sah ich ein angekettetes Fahrrad der Marke «Author». Ob das eine Geschichte ist?

Ich ist der selbe

Das Zitat der Woche stammt aus «Kopfjäger», Uwe Timms Roman über einen Aufsteiger im Hamburg der späten Achtziger:
Plötzlich musste man sich [als Käufer einer Lebensversicherung] mit sich selbst beschäftigen, mit dem Gelingen oder Misslingen des eigenen Lebensentwurfs. Was hatte man einmal gewollt? Was wollte man mal werden? Und was war man geworden? Und am Misslingen [...]

nässeln

Der Regen wird in Romanen gern mit Klischees abgefertigt. Er trommelt an die Scheiben oder schlägt gegen sie, er prasselt sintflutartig nieder oder legt sich über schlafende Städte. Manchmal darf er auch unaufhörlich oder deprimierend sein. Überraschend ist er selten. Dies im Gegensatz zum Donner, der beispielsweise von Herrn Geiser ausgiebig gewürdigt wird.
Ja, der Regen [...]

achthufig

In «Ungeduld des Herzens», seinem leider einzigen Roman, beschreibt Stefan Zweig einmal mehr die versunkene Welt der Donaumonarchie. In Zweigs Büchern (und auch manch anderem aus der selben Epoche) stehen die Schönen Wörter dicht an dicht. Eines aus dem genannten Buch gefällt mir besonders gut:
Aber neues Pech: gerade heute steht am Rathausplatz kein Fiaker, ich [...]

Lebensbewältigungsprosa

Was taten Nichtfernsehstars vor zehn Jahren, wenn der Bus zu früh abfuhr, die Katze das neue Nassfutter boykottierte oder der eigene Bauch trotz «Power Walking» nicht schrumpfen wollte? Sie haben es jemandem erzählt – oder in ihr Tagebuch geschrieben. Heute bloggen sie, denn ein lustiger Büsi-Film bringt erfahrungsgemäss mehr Leser als ein Beitrag zu [...]

eichenbüfetthaft

Emotionen sind oft konventionell - zumindest in literarischen Formeln. Seit Jahrtausenden gibt es den kochenden Zorn und das homerische Gelächter, den brennenden Neid und das finstere Schweigen. Neuschöpfungen sind selten und oft missglückt. Doch welche schöne Abwechslung serviert uns der Perlentaucher in seinem heutigen Feuilleton-Anriss!
Die «Welt» verteidigt Martin Mosebach gegen seine Verächter und zertrümmert mit [...]

Nierentischgemütlichkeit

Das Fundstück ist nicht mehr taufrisch, aber immer noch wertvoll. «Wo ist Böll?» fragt Christiane Grefe in einer längst rezyklierten Ausgabe der «Zeit». Und meint:
Ein unruhiger Schreiber, der von Nikotin, vom Alkohol, selbst vom Aufputschmittel Pervitin nicht lassen kann. Inmitten des Wiederaufbaus, des Wirtschaftswunders, der Nierentischgemütlichkeit sind seine Kriegstexte Störfälle.
Und wie liesse sich die Gemütlichkeit [...]

Austriazismen

Wer Doderer, Roth und Horváth mag, wird diese Sammlung von Austriazismen lieben.

minzekühles Licht

Die wirklich schönen Schönen Wörter finde ich derzeit beim Lesen. Zum Beispiel hier:
Es verstummten auch die anderen, und jeder dachte auf seine Weise über die geheimnisvolle Kraft des Hämoglobins nach.
Als der Mond aufstieg und sein minzekühles Licht die Miniaturbüste des Shukowski-Denkmals beschien, war auf dem bronzenen Rücken deutlich ein mit Kreide geschriebener schweinischer Ausdruck zu [...]

Schnuppigkeit

Das offizielle Robert-Walser-Gedenkjahr ist vergangen, die Erinnerung an den vor Tagesschau-Kameras spazierenden Bundesrat und Herisauer und Spaziergänger und Walser-Kenner Hans-Rudolf Merz schon fast verdrängt. Ein guter Grund also, Walser wieder zur Hand zu nehmen - und dabei sogleich Schöne Wörter zu finden:
Wurstigkeit, Schnuppigkeit von Fussgängern auf Strassen irritiert Automobilisten. Ich will auch rasch noch dieses [...]