Redensarten sind Glückssache, und so hat sich schon manche launige Bemerkung im Wind zerschlagen. Trotzdem hat mich die Stellenausschreibung für einen Online-Redaktor bei «20 Minuten» erstaunt:
Sie suchen und recherchieren nach News zum Thema Internet und sind dabei immer am Zahn der Zeit in Sachen Web-Trends. Diese beschreiben Sie in einer allgemein verständlichen Sprache. (…) [...]
Die Konjunktur soll uns auch 2008 erhalten bleiben. Kein Wunder, überschlagen sich die Personalvermittler im «Stellen-Anzeiger» einmal mehr beim Texten ihrer neuen Herausforderungen für aussergewöhnliche Persönlichkeiten. Manchmal wirds etwas übermütig, so etwa beim «Top Job im Web Shop», der sich erst nach dem zweiten Bier reimen dürfte (Topschtop im Webtschop).
Das E-Business boomt! Mit gutem Grund. [...]
Arbeitszeugnisse gehören zu den schwierigen Textsorten. Seit Jahrzehnten streiten sich Personalfachfrauen, Stellenvermittler und Geschasste, ob eine Arbeit nun zur «vollen» oder zur «vollsten» Zufriedenheit erfüllt wurde, ob ein «jederzeit freundliches und korrektes» Verhalten auch noch «angenehm» sein müsste und ob «uncodierte Zeugnisaussagen» tatsächlich eindeutig sind.
Wenigstens ein Punkt ist nicht strittig: Wenn im Zeugnis nicht «bedauert» [...]
Die Generation Praktikum wird auch in der Schweiz beschäftigt. Von Lohnzahlungen ist selten die Rede - von «Herausforderungen» dagegen oft. Die «Herausforderung» für die Inseratetexter liegt darin, die Gratisarbeit möglichst elegant zu verkaufen. Ein missglücktes Beispiel finden wir auf der Website von Ringier:
Praktikum als Grafiker/-in 100% beim ‘heute’
Die Abendzeitung ‘heute’ bietet Ihnen eine Schnuppermöglichkeit als [...]
Vom Marsch durch die Institutionen, manchmal auch als Ausverkauf bezeichnet, liest man heute nur mehr selten. Halt, Stop, Jargon-Alarm!
Eine kurze Phrasen-Erklärung für unsere jüngeren Leser: Der erwähnte Marsch bezeichnet die soziale und wirtschaftliche Karriere der einstigen DemonstrantInnen, AktivistInnen und was zwischen 1965 und 1974 noch alles an Binnenmajuskeln zu vergeben war. In Kurzform: Junge [...]
Die Sprache der Personalverantwortlichen (Denglisch: Human Ressources Assistants) schien mir schon längere Zeit abgehoben. Nun erklimmt sie neue Höhen – und kippt ins unfreiwillig Komische. Im «Stellen-Anzeiger» vom 13. April sucht der Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) eine(n)
Category Field Manager
Der «Field Manager» lässt sich mit genügend Fantasie und Wohlwollen noch als «Aussendienstmitarbeiter» übersetzen (oder als Feldweibel? Quatsch, dann [...]
Aus dem «Stellen-Anzeiger» vom 24. Januar 2006:
Per sofort gesucht im Seefeld: Treuhandarbeiterin (40%) mit KV-Abschluss, ev. Treuhanderf. Bew. an Postfach sowieso, 8034 Zürich.
Treue Handarbeiterinnen (ev. vom Kanton Zürich verstossene Handarbeitslehrerinnen) dürfen sich melden.
PS «Treuhandarbeiterin» ist tatsächlich ein Neologismus, mit dem bei Google kein einziges Ergebnis erzielt wird. Jedenfalls bis dieser Beitrag indexiert worden ist.
Und wieder hat ein dynamischer HR-Assistant eine zeitgemässe job offer formuliert: Im «Stellen-Anzeiger» von heute lautet die Frage des Tages: «Suchen Sie den Einstieg ins Treasury-Umfeld?»
Nun wäre es gut, zu wissen, was «Treasury» bedeuten soll. Leo nennt mehrere interessante Varianten, unter anderem die Schatzkammer, das Schatzministerium, und die Staatskasse. Ganz so nobel wird es [...]
verlangt die Zuvo AG in ihrer Stellenausschreibung für einen IT-Mitarbeiter (TA-Stellenmarkt von heute, Printausgabe). Damit erobert sie sprachliches Neuland: Normalerweise sind nicht abstrakte Gegenstände, sondern Menschen versiert
Nachdem in den letzten Jahren aber fast das gesamte Vokabular der Stahlbau-Ingenieure auf den modernen Arbeitnehmer übertragen wurde (dieser sei: flexibel, belastbar, wartungsarm), ist es vielleicht an der [...]