Mit einem feinen Gespür für Nuancen berichtet die SDA von der Zürcher 1. Mai-Kundgebung:
Musik ist aus den mitgeführten Lautsprechern zu vernehmen. Rote Fahnen wehen (…). Am Rande des Zuges halten zahlreiche Aktive 1.-Mai-Abzeichen, Traktanden und Broschüren feil oder verteilen den Zuschauenden Flugblätter.
Ein 1. Mai-Abzeichen zu verkaufen ist vermutlich ebenso ein Fauxpas wie das Bestellen einer [...]
Das offizielle Robert-Walser-Gedenkjahr ist vergangen, die Erinnerung an den vor Tagesschau-Kameras spazierenden Bundesrat und Herisauer und Spaziergänger und Walser-Kenner Hans-Rudolf Merz schon fast verdrängt. Ein guter Grund also, Walser wieder zur Hand zu nehmen - und dabei sogleich Schöne Wörter zu finden:
Wurstigkeit, Schnuppigkeit von Fussgängern auf Strassen irritiert Automobilisten. Ich will auch rasch noch dieses [...]
Tippfehler können Spass machen: Das Renntier scheint mir ein sinnvoller Gattungsbegriff für schnelle Viecher zu sein. Das meines Wissens inexistente «Flugtier» hätte schliesslich auch manches Leben vor den Klauen der Flugsaurier retten können. «Ugh, pass auf, ein Preondactylus buffarinii!»
Gerade in der Berichterstattung zum Swissair-Prozess gelesen:
Die LOT sei attraktiv gewesen, weil sie bereits auf europäische Fluggeräte umgestellt habe, sagte Bruggisser.
Hängegleiter, Fallschirme, Ikarus-Flügel …
Oder doch eher eine Airbus-Flotte?
In der «Welt» bespricht Hendrik Werner den Wettbewerb, mit dem «das schönste bedrohte Wort» gekürt werden soll. Nun sind Schöne Wörter, ob bedroht oder nicht, eine Geschmackssache. Und ein offiziell gekrönter Anachronismus erst recht. Vor allem, wenn er zur Vermeidung seines natürlichen Todes künstlich beatmet wird. Was aber nützt der deutschen Sprachgemeinschaft ein beglaubigtes Retro-Wort, [...]
Wie beschreibt man gute Stimmung? Allzu oft mit hilflosen Phrasen, wie das Nightfever-Glossar der Pendlerblogger zeigt. Da geht die Party «voll ab», es laufen «fette Bässe» oder «gnadenlose Beats». Eine vorgestanzte, lieblose Sprache soll uns da in Stimmung bringen, eine Häufung leichenstarrer Phrasen. In der Regel macht dieser Jargon nicht Lust auf Party, sondern aufs [...]
Schöner als das neudeutsche Smalltalk, netter als Gefasel und Gesülze, aber nicht gleich so hochgestochen wie das Kommunizieren oder Ausdiskutieren. Und in der Zeit der Weihnachtsapéros und Geschäftsessen auch sehr brauchbar.
Gefunden beim Wortwart.
Die eben erwähnte Babelfish-Kompilation bringt uns ein neues Schönes Wort. Denn die Übersetzung eines bekannten Tarantino-Films lautet wie folgt:
Reservoir DogsVorratsbehälterhunde
Gibt es eine bürokratisch genauere Bezeichnung für den Berhardiner? Oder gar einen schöneren Terminus für Barrys Nachfolger?
Das «Tagblatt der Stadt Zürich» berichtet in seiner Ausgabe vom 21. November über den Zürcher Anglizismenwahn (Artikel online nicht frei zugänglich). Für Auswärtige: In Zürich wird nicht zu Mittag gegegesen, sondern geluncht, und natürlich verlangt auch kein Chef mehr nach einer kurzen Zusammenstellung, sondern nur noch nach einem One-Pager. Wenigstens lässt sich diese Unsitte jetzt [...]
Manchmal benötigt auch die banale Wahrheit höchste Weihen: Ein neues Bundesgerichtsurteil hält fest, dass freie Sicht beim Autofahren wirklich wichtig ist. Merken wir uns also für die kommende Schlottersaison: Wer auf der vereisten Windschutzscheibe nur ein Guckloch freikratzt, muss mit einem einmonatigen Führerausweisentzug rechnen.
In früheren «NZZ»-Berichten zu diesem Thema wurde jeweils der Polizei-Terminus Iglufahrer erwähnt. [...]