Das Börsendeutsch ist vor allem ein Börsenenglisch: Ohne Leveraged Bullshit Wording scheint die Finanzwelt nicht mehr funktionieren zu können. Doch ab und zu gibt es einen Lichtblick. Inmitten von «Zielperformance», «Managed Futures», «Macro Funds» und «klassischen Convertible Arbitrage» fand ich dieser Tage im «Tages-Anzeiger» ein Schönes Wort:
Auch Geierfonds, die sich Wertpapiere holen, die andere [...]
Dickschiffkomposita sind selten schön. Aber manchmal bieten sie einfach mehr Präzision als kurze Wörter. Zum Beispiel das Wort «Selbstunterhaltungsmassnahme», das letzte Woche in einem Konzertbericht erschien:
Das dicht zusammengedrängte Publikum ist offensichtlich ins Volkshaus gepilgert, um den Klassiker «Moon Safari» live zu hören: das merkt man daran, dass spätere Stücke nur eine verhaltene Resonanz finden – [...]
In einer Flut von Kommentaren zur Kolumnenpandemie in der Schweizer Presse fand ich ein Schönes Wort:
Und Max Küng, den ich für sein Buch “Einfälle kennen keine Tageszeit” sehr gelobt habe, ist zum schlimmsten Kolumnenbeamten abgesackt (…).
Vor zehn oder zwanzig Jahren, als die Kolumne noch als Meisterstück des Journalismus galt, wäre der Kolumnenbeamte ein Oxymoron gewesen. [...]
Auf Ricardo wurde dieser Tage ein Absinth-Wasserbrunnen versteigert. Die deutsche Artikelbeschreibung litt an inhaltlichen Fehlern, überzeugte aber mit sprachlichem Charme:
Medaille d’Argent au concours suisse des eaux de vies 2007
Geldmedaille am Schweizer Wettbewerb der Lebensgewässer 2007
Lebensgewässer ist im Moment ein Fachbegriff aus der Aquaristik, könnte aber auch als Wort für Hochprozentiges Karriere machen. Es tönt schöner [...]
Emotionen sind oft konventionell - zumindest in literarischen Formeln. Seit Jahrtausenden gibt es den kochenden Zorn und das homerische Gelächter, den brennenden Neid und das finstere Schweigen. Neuschöpfungen sind selten und oft missglückt. Doch welche schöne Abwechslung serviert uns der Perlentaucher in seinem heutigen Feuilleton-Anriss!
Die «Welt» verteidigt Martin Mosebach gegen seine Verächter und zertrümmert mit [...]
Arbeitszeugnisse gehören zu den schwierigen Textsorten. Seit Jahrzehnten streiten sich Personalfachfrauen, Stellenvermittler und Geschasste, ob eine Arbeit nun zur «vollen» oder zur «vollsten» Zufriedenheit erfüllt wurde, ob ein «jederzeit freundliches und korrektes» Verhalten auch noch «angenehm» sein müsste und ob «uncodierte Zeugnisaussagen» tatsächlich eindeutig sind.
Wenigstens ein Punkt ist nicht strittig: Wenn im Zeugnis nicht «bedauert» [...]
Es gibt Menschen, die ohne Frühstück ganze Städte durchwandern. Menschen, die ohne Mittagessen drei Museen besichtigen. Menschen, die ohne Nussgipfel fünfstündige Wanderungen überleben. Diese Menschen leben gefährlich, wenn sie mit einem Blutzuckerschwächling unterwegs sind. Blutzuckerschwächlinge brauchen alle paar Stunden Nachschub, sonst werden sie unausstehlich. Sie verlassen Picasso für ein pain chocolat. Sie tauschen den Blick [...]
Es gibt heute nur noch wenige Laster. Zum Beispiel die Ziellosigkeit: Wer auf Zusehen lebt, wer kein «Projekt» hat und es Arbeit nennt, wer nicht weiss, wann es Zeit für die erste Hypothek oder den letzten Bus ist, macht sich der Antriebsarmut verdächtig und ist ein Zielloser. Wie aber heissen die Nicht-Ziellosen? Sind sie Zielbesitzer? [...]
Die wirklich schönen Schönen Wörter finde ich derzeit beim Lesen. Zum Beispiel hier:
Es verstummten auch die anderen, und jeder dachte auf seine Weise über die geheimnisvolle Kraft des Hämoglobins nach.
Als der Mond aufstieg und sein minzekühles Licht die Miniaturbüste des Shukowski-Denkmals beschien, war auf dem bronzenen Rücken deutlich ein mit Kreide geschriebener schweinischer Ausdruck zu [...]
«There is no such thing as a free lunch», murmeln die Ökonomen bei jeder Gelegenheit. Und beim Kochen stimmt das ja auch: Sogar ein «Menü» aus der Küche von «Anna’s Best» verlangt gewisse Handgriffe. Aber weil das Kochen nach alter Mütter Sitte doch noch etwas mehr Mühe macht, floriert der Convenience Food, und Zuckererbsen finden [...]