Category Archives: Schöne Wörter

Feierabendakademie

Irgendwo auf den 692 Seiten Rumo steht das Schöne Wort «Feierabendakademie». Für die Art von Unterricht, der bei einem Bier oder einem Wein stattfindet, scheint es mir sehr passend. Aber die genaue Belegstelle und die ausführliche Würdigung kann ich leider noch nicht liefern. Da wartet eine Stadt voll träumender Bücher. (Nebenbei: Für Germanisten gibt es [...]

kurzmitteilungsfrei

Im «Zeit-Magazin Leben» schreibt Adam Soboczynski über den Erreichbarkeitswahn: «Der Feierabend hat Feierabend». Seine Beobachtungen sind nicht ganz neu, einige Wörter dagegen schon. Zum Beispiel dieses: Wie kurzmitteilungsfrei einst die Sonntage waren! Der Feierabend erstreckte sich über den ganzen langen Tag. Auch heute schläft man an diesem Tag zwar aus (…) aber spätestens am Nachmittag [...]

Fahrgelegenheit

Wenn ein S-Bahn-Zug wegen einer «technischen Störung» aussteigt (können Züge auch emotionale Störungen haben?), gibt es Durchsagen. Zum Beispiel diese: [Unbedingt gepresste Stimme] Eiiine Innnnformation zur Esss Nööööin … [Mit den Bartstoppeln am Mikro kratzen] Wegen einer technischen Störung bleibt dieser Zug in Zürich. [Rückkoppeln lassen ... Ein paar Sekunden warten ... Die Bartstoppeln vom [...]

nässeln

Der Regen wird in Romanen gern mit Klischees abgefertigt. Er trommelt an die Scheiben oder schlägt gegen sie, er prasselt sintflutartig nieder oder legt sich über schlafende Städte. Manchmal darf er auch unaufhörlich oder deprimierend sein. Überraschend ist er selten. Dies im Gegensatz zum Donner, der beispielsweise von Herrn Geiser ausgiebig gewürdigt wird. Ja, der [...]

achthufig

In «Ungeduld des Herzens», seinem leider einzigen Roman, beschreibt Stefan Zweig einmal mehr die versunkene Welt der Donaumonarchie. In Zweigs Büchern (und auch manch anderem aus der selben Epoche) stehen die Schönen Wörter dicht an dicht. Eines aus dem genannten Buch gefällt mir besonders gut: Aber neues Pech: gerade heute steht am Rathausplatz kein Fiaker, [...]

Lebensbewältigungsprosa

Was taten Nichtfernsehstars vor zehn Jahren, wenn der Bus zu früh abfuhr, die Katze das neue Nassfutter boykottierte oder der eigene Bauch trotz «Power Walking» nicht schrumpfen wollte? Sie haben es jemandem erzählt – oder in ihr Tagebuch geschrieben. Heute bloggen sie, denn ein lustiger Büsi-Film bringt erfahrungsgemäss mehr Leser als ein Beitrag zu «Gender [...]

ospeln

Zehn Stunden für drei Traktanden: Die Generalversammlung der UBS ist vorbei. Die Sonderprüfung wurde knapp abgelehnt, die Aktiendividende und die Kapitalerhöhung genehmigt. Und der Chef heisst immer noch Marcel Ospel. Die beste Zusammenfassung der GV las ich heute morgen auf dem Kioskaushang des «Blicks»: UBS ospelt weiter Die genaue Bedeutung des Verbs ist offen. Vielleicht [...]

Hustengehack

In den Trams und Zügen ist der Winter noch lange nicht vorbei. Kaum haben sich die Türen geschlossen, setzt ein Räuspern und Röcheln ein, ein Schniefen und Schneuzen, ein Chodern und Chrosen. Ein prächtiges Forschungsgebiet für Onomatopoeten, aber eine Nerven- und Hörprobe für Empfindliche. Zum Glück gibts in der literarischen Hausapotheke ein passendes Wort: Nach [...]

Hanebücherei

Der Mond und das Pfefferland füllen sich diese Woche mit Anlageberatern und Börsenhändlern. Wo bleibt noch Platz für schlechte Drucksachen? Vielleicht in der fiktiven Bibliothek, die Volker Strübing in einer ausführlichen Würdigunng verschiedener Fernsehserien nebenbei erwähnt: Die [Serie «24»] will realistisch sein in dem Sinne, dass alles was dort passiert, wirklich passieren könnte. Keine Eisbären [...]

Weinfindung

In der «Sonntagszeitung» vom letzten Wochenende schrieb ein Wirt in seinem Leserbrief: Bei uns im Lenkerhof ist es Standard, dass auch an Vierer- oder Sechsertischen alle Gäste eine Weinkarte erhalten. Unsere Erfahrungen zeigen, dass dies sehr geschätzt wird. Die Weinfindung der Gäste wird viel angeregter und darum möglicherweise auch zufriedenstellender. Wörter auf -ung sind häufig [...]