Monthly Archives August 2008

kurzmitteilungsfrei

Im «Zeit-Magazin Leben» schreibt Adam Soboczynski über den Erreichbarkeitswahn: «Der Feierabend hat Feierabend». Seine Beobachtungen sind nicht ganz neu, einige Wörter dagegen schon. Zum Beispiel dieses: Wie kurzmitteilungsfrei einst die Sonntage waren! Der Feierabend erstreckte sich über den ganzen langen Tag. Auch heute schläft man an diesem Tag zwar aus (…) aber spätestens am Nachmittag [...]

Ich ist der selbe

Das Zitat der Woche stammt aus «Kopfjäger», Uwe Timms Roman über einen Aufsteiger im Hamburg der späten Achtziger: Plötzlich musste man sich [als Käufer einer Lebensversicherung] mit sich selbst beschäftigen, mit dem Gelingen oder Misslingen des eigenen Lebensentwurfs. Was hatte man einmal gewollt? Was wollte man mal werden? Und was war man geworden? Und am [...]

Patois-Projekte

Nachdem in der Presse unlängst das Schweizerdeutsch gewürdigt wurde, berichtet die «NZZ» heute über das Patois, «die verstummende Stimme der Romandie». Dabei geht es um den «Glossaire des Patois de la Suisse romande», welcher dem schweizerdeutschen Idiotikon entspricht sowie um den «Atlas linguistique audio-visuel du francoprovençal valaisan», der sich auf das französischsprachige Wallis konzentriert: Wenn [...]

Heisser Backfisch

Rätselraten vor der Nordsee-Filiale: Ist ein «heisser Backfisch» nun ein Oxymoron oder ein Vorgänger der «attraktiven Single-Frau»?

Yuppiesierung

Der «Tages-Anzeiger» berichtet heute einmal mehr über den Zürcher Wohnungsmarkt und serviert uns ein Schlimmes Wort: [Zweitwohnungen, teure Wohnungen für Geschäftsleute sowie die kaufkräftigen Zuzüger] verdrängen Familien aus den Trendquartieren im Zentrum Zürichs. Leisten können sich Wohnungen dort vor allem noch Singles und Doppelverdiener ohne Kinder – sogenannte Yuppies. Darum befürchtet [Mieterverbands-Präsident] Scherr eine «Yuppiesierung» [...]

Fahrgelegenheit

Wenn ein S-Bahn-Zug wegen einer «technischen Störung» aussteigt (können Züge auch emotionale Störungen haben?), gibt es Durchsagen. Zum Beispiel diese: [Unbedingt gepresste Stimme] Eiiine Innnnformation zur Esss Nööööin … [Mit den Bartstoppeln am Mikro kratzen] Wegen einer technischen Störung bleibt dieser Zug in Zürich. [Rückkoppeln lassen ... Ein paar Sekunden warten ... Die Bartstoppeln vom [...]

Lueget mau nache

In der Wochenendpresse gabs gleich zwei lesenswerte Artikel zum Schwyzerdütsch. Die «NZZ am Sonntag» berichtete über das Idiotikon, das «Magazin» über die L-Vokalisierung. Etwas verständlicher formuliert: warum Hanspeter von Z. W. «hingerem Gmüesregau» und nicht «hingerem Gmüesregal» steht.

Unversiegelt

Im «Anzeiger von Affoltern» findet der geneigte Leser so manches Foul an der Sprache. Manchmal darf er sich auch amüsieren – zum Beispiel über die wild zusammengebrauten Phrasen: Mit [Hans] Fehr [...] sagte eine Persönlichkeit zu, die bezüglich ihrer politischen Ausrichtung kein Blatt mit sieben Siegeln ist. Eine andere «Persönlichkeit» hätte sicherlich ein unbeschriebenes Buch [...]

nässeln

Der Regen wird in Romanen gern mit Klischees abgefertigt. Er trommelt an die Scheiben oder schlägt gegen sie, er prasselt sintflutartig nieder oder legt sich über schlafende Städte. Manchmal darf er auch unaufhörlich oder deprimierend sein. Überraschend ist er selten. Dies im Gegensatz zum Donner, der beispielsweise von Herrn Geiser ausgiebig gewürdigt wird. Ja, der [...]

Hamburger Fundstücke (II)

Statt fünftausend Worten: