Monthly Archives Januar 2008

Milliarden-Zocker

Die Bankenwelt ist nicht leicht zu beeindrucken. 50 Millionen Mark galten schon 1994 als Peanuts. Und heute? Zwar hat Jérôme Kerviel, der «kleine Händler» der Société Générale, den früheren Rekordhalter Nick Leeson deutlich geschlagen: Fünf Milliarden Euro Verlust sind nun mal mehr als eine runde Milliarde Euro Verlust. Doch auch die Presse ist nicht leicht [...]

Hanebücherei

Der Mond und das Pfefferland füllen sich diese Woche mit Anlageberatern und Börsenhändlern. Wo bleibt noch Platz für schlechte Drucksachen? Vielleicht in der fiktiven Bibliothek, die Volker Strübing in einer ausführlichen Würdigunng verschiedener Fernsehserien nebenbei erwähnt: Die [Serie «24»] will realistisch sein in dem Sinne, dass alles was dort passiert, wirklich passieren könnte. Keine Eisbären [...]

Wortsport

Ein neuer Pizzateig heisst «Zackback». Da scheinen die 40 Minuten Backzeit doch gleich viel kürzer. Jetzt warte ich auf den Highspeed-Reissverschluss «Ruckzuck» und die Pflegespülung «Kuschelwuschel».

Mir hei gseh, dass ä Handligsbedarf besteit, wo itz mues abklärt wärde

Weils so schön passt: Idylle mit Kühen, fernab jeder RailCity. Das Bild ist von mir. Nid chlaue stähle, syt so guet! In seinem NZZ-Artikel «Easy Swiss – oder: Man spricht Deutsch» zieht Walter Boris Fischer gegen die Anglisierung und die Germanisierung des Schwyzerdütsch vom Leder. Seine Argumente gegen englische Importware sind korrekt, aber nicht eben [...]

Äs Himugüegeli ufem Chueche

Der Sprachatlas der deutschen Schweiz basiert auf den Schweizer Dialekten, die zwischen 1939 und 1958 gesprochen wurden. Ein Forschungsprojekt der Universität Zürich untersucht nun, wie sich die Dialekte in den letzten 60 Jahren verändert haben: Gibt es weniger Wort-Varianten als früher? Haben sich die Grenzen der Dialekte verschoben? Werden die Dialekte von regionalen Zentren oder [...]

Lyrische Epik

Den Preis für die schönste semantische Fusion gewinnt diese Woche das «Tagblatt der Stadt Zürich»: Die Verfilmung eines seit Monaten auf den Bestsellerlisten stehen den Romans von Khaled Hosseini ist Forsters «The Kite Runner» und absolut begeisternd. Die epischen Bilder spiegeln die lyrische Erzählweise des Romans. Lyrisch. Beziehungsweise episch.

Buchstabensuppe

Die Rechtschreibung wird heute gern als Zucht- und Herrschaftsinstrument missverstanden. Dabei ist sie auch ein Ausdruck der Wertschätzung: Korrekter Sprachgebrauch erleichtert den Lesern das Verständnis und erhöht die Geduld. Zum Beispiel beim Anstehen in einer Kantine, deren Küche den Genuss nicht gerade neu erfindet. Der aktuelle Menüplan des von mir besuchten «Personal Restaurants» enthält 21 [...]

Immer am Zahn der Zeit

Redensarten sind Glückssache, und so hat sich schon manche launige Bemerkung im Wind zerschlagen. Trotzdem hat mich die Stellenausschreibung für einen Online-Redaktor bei «20 Minuten» erstaunt: Sie suchen und recherchieren nach News zum Thema Internet und sind dabei immer am Zahn der Zeit in Sachen Web-Trends. Diese beschreiben Sie in einer allgemein verständlichen Sprache. (…) [...]

Keine Ideen? Doofe Sprüche!

Gegensätze ziehen sich an. Deshalb verfallen Kreative ab und zu aufs Dumpfe. Im Sommer heisst es dann: «Kühle Drinks für heisse Tage» oder «Heisse Tage – Coole Mode». Und im Winter? Das ist wohl klar: «Kühle Tage? Heisse Sandwiches!».

Europa unser

Bei «Strange Maps» gibt es eine wunderbare Landschaft zu bestaunen. «Praise the Lord and pass the dictionary» zeigt eine Sprach-Karte von Gottfried Hensel. Das 1730 entstandene Werk listet (fast) alle in Europa verwendeten Alphabete und Schriften auf. So erschöpfend wie der Name – Europa Polyglotta, Linguarum Genealogiam exhibens, una cum Literis, Scribendique modis, Omnium Gentium [...]