Juchu, es kracht! Während sich die Banken täglich abwechseln, um die Karre Weltwirtschaft auch mal in die Wand fahren zu dürfen, hoffen die Kleinanleger auf das grosse Geld. Nicht weil es aufwärtsgeht, sondern weil es abwärtsgeht – eine richtige Hausfrauenbaisse. Die diesjährige Messe «Strukturierte Produkte» passt prima dazu und wirbt deshalb mit ihrem Heftchen «dp payoff special – all about derivative instruments». Darin gibt es viele bunte Inserate mit unfreiwilliger Komik («Making more possible» – ABN Amro», «Eigentlich unbeschreiblich» – Waldhaus Flims, «Information entscheidet» – Goldmann Sachs). Und es gibt ein surreales «Know How»-Quiz mit Fragen wie:
Frage 11: Was passiert bei der Berührung des Knock-ins bei einem Twin-Win-Zertifikat?
a) Es wandelt sich in ein Outperformance-Zertifikat oder ein Tracker-Zertifikat um.
b) Es wandelt sich in ein Outperformance-Bonus-Zertifikat um.
Wer wird Millionär? Ich tippe auf b), denn «Bonus» wird ja im Moment mit «Gibts immer und sowieso» übersetzt. Aber eigentlich wollte ich auf etwas anderes hinweisen. Im Editorial steht nämlich:
Fast täglich vermelden die Medien neue Abschreibungen, Verluste und Rückstellungen. Als Grund für diese globalen Probleme werden immer wieder Derivate und strukturierte Finanzanlagen genannt. Aber was hat es mit diesen Instrumenten denn eigentlich auf sich? Was steckt dahinter, und vor allem, was steckt darin?
Das US-Finanzministerium weiss es nicht, die EU weiss es nicht, die Schweiz weiss es auch nicht mehr. Und jetzt kommts:
Antworten auf diese Fragen erhalten Sie an der zweiten Messe für Strukturierte Produkte vom 23./24. Oktober im Zürcher Kongresshaus.
Bitte nicht drängeln, die Weltbank hat Vortritt.
Comments 5
Auch Kartenhäuser haben Strukturen, wenn man’s genau nimmt…
Posted 20 Okt 2008 at 18:38 ¶Natürlich. Die Theorieentwicklung war in der Wirtschaft ja nie das Problem. Peinlich ist nur, dass all die Modelle jetzt wöchentlich angepasst werden müssen, weil die «Selbstheilungskräfte» des Marktes so offensichtlich fehlen. In den wirtschaftlichen Fakultäten und Unternehmensberatungen werden die Slides wohl gerade im Wochentakt aktualisiert …
Posted 20 Okt 2008 at 19:17 ¶Ja, was steckt in einem strukturierten Finanzprodukt. Hier eine kleine Anleitung, wie es funktioniert / funktionieren sollte / funktionieren könnte? :-)
Der junge Chuck will mit einer eigenen Ranch reich werden. Als Anfang kauft er einem Farmer ein Pferd ab. Er übergibt dem Farmer seine ganzen 100 Dollar und dieser verspricht, ihm das Pferd am nächsten Tag zu liefern.
Am nächsten Tag kommt der Farmer vorbei und teilt Chuck eine schlechte Nachricht mit: “Es tut mir leid, Kleiner, aber das Tier ist in der Nacht tot umgefallen.” Meint Chuck: “Kein Problem. Gib mir einfach mein Geld zurück. “Geht nicht”, eröffnet ihm der Farmer. “Ich habe das Geld gestern bereits für Dünger ausgegeben.”
Chuck überlegt kurz. “Na dann”, fängt er an, “nehme ich das tote Biest trotzdem.”
“Wozu denn?” fragt der Farmer.
“Ich will es verlosen”, erklärt ihm Chuck. “Du kannst doch kein totes Pferd verlosen!”, staunt der Farmer. Doch Chuck antwortet: “Kein Problem! Ich erzähl’ einfach keinem, dass es schon tot ist…”
Monate später laufen sich Chuck – fein in Anzug und schicken Schuhen – und der Farmer in der Stadt über den Weg. Fragt der Farmer: “Chuck! Wie lief’s denn mit der Verlosung des Pferde-Kadavers?”
“Spitze”, erzählt ihm Chuck. “Ich habe über 500 Lose zu je 2 Dollar verkauft und meine ersten 1’000 Dollar Profit gemacht.”
“Ja… gab’s denn keine Reklamationen?”
“Doch – vom Gewinner”, sagt Chuck. “Dem habe ich dann einfach seine 2 Dollar zurückgegeben.”
Heute verkauft Chuck strukturierte Finanzprodukte bei …
Posted 21 Okt 2008 at 17:00 ¶Gute Erklärung :-). Chucks Probleme begannen wohl erst, als er die toten Kühe nicht mehr aus dem Kühlraum von Lehmann Brothers holen konnte …
Posted 21 Okt 2008 at 19:32 ¶Ich hatte einen schön strukturierten Kommentar gebastelt, aber dann ist er kollabiert.
Posted 28 Okt 2008 at 22:26 ¶Post a Comment