Es gibt gute Werbung und schlechte Werbung, lustige Werbung und doofe Werbung, es gibt auch Hybriden. Dieses Internet-Inserat scheint die neue Sorte «Mies übersetzt, aber doch poetisch» zu vertreten:
Mehr als 300 Woche verdienen. Einfach so mit Hausschuhen an.
«De arbeitest» kommt mir niederländisch vor und ist entweder ein Übersetzungsfehler oder Teil eines neuen EU-Sprachförderprogramms. «Zu Haus» scheint im heutigen Mischmasch von Gross- und Kleinschreibung, Recht- und Schlechtschreibung, Aus Einander und Zusammenschreibung schon fast ein gültiger Ausdruck zu sein. Statt «zuhause» sind wir in einigen Jahren vielleicht in dieser Wendung «Zu Haus». Doch das sind nur Nebenschauplätze.
Denn da gibts diesen mehrdeutigen Satz: «Mehr als 300 Woche verdienen». Er öffnet uns die Augen für die Wirtschaftslage (Mehr als 10′000 waren einmal, heute sind es mehr als 300), die Lebenserwartung (mehr als 300 Wochen verdienen?) und die Herrschaft des Dialekts (noch schöner wäre «Wuche»).
Und da gibts auch diesen grossartige Satz: «Einfach so mit Hausschuhen an». Er trifft die geheime Sehnsucht der Lottospieler, der Wer-Wird-Millionäre, der Lösungswort-per-SMS-Sender: Her mit der Kohle, aber ich bleibe hier! Das ist aber nicht alles. «Einfach so mit Hausschuhen an» findet auch das Ohr unseres inneren Oblomows, der überzeugt ist, Grosses zu tun, sobald er das bequeme Bett verlässt. Wenn es bloss nicht so bequem wäre.
Nein, doof ist diese Werbung nicht. Aber clever.

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