Vor der grossen Sommerpause sei der Redaktion des «Tages-Anzeiger» gesagt, dass ich mich gegen ihre unmässige Verwendung von «sich wehren» zu wehren gedenke. Denn vor lauter gedruckter Wehrgräben geht nicht nur der Zusammenhang verloren, auch die Wendung verliert ihre Aussagekraft. Wenn sich jeden Tag jemand gegen etwas wehrt, werden wir uns der völligen Sprachinflation kaum mehr erwehren können. Heute wehren sich zum Beispiel der Zürcher Uni-Klinikchef (gegen was genau?) und Irland (gegen Sarkozy). Ein Zufall? Nein, ein Mätzchen mit System. Einige Beispiele aus den letzten Wochen:
Berner Autonome wehren sich gegen «repressivere Sicherheitspolitik»
Lehrer und Schulpolitiker wehren sich.
Ronny Pecik und Georg Stumpf wehren sich dagegen, über OC Oerlikon die Kontrolle zu verlieren.
Die UBS will sich mit rechtlichen Mitteln gegen die Klage wehren.
SRG-Walpen wehrt sich gegen Uefa-Zensur
Ich wehre mich, du wehrst dich, wir wehren uns. Dann muss niemand mehr dementieren, abstreiten, bemängeln, rügen, sich verwahren, etwas vorkehren, abwenden oder verhindern, und schon gar nicht blockieren. Wehrhafte Schweiz! Die soziologischen Abhandlungen über die Hintergründe (Neue Igel-Mentalität? Festung Europa? Fehlerhaftes Makro «Schreibstau – bitte Default-Textbaustein einfügen»?) überlasse ich anderen. Aber eins möchte ich gesagt haben: Ich wehre mich dagegen. Im Fall.
Comments 3
Lege dich nicht mit den Wehrwölfen des Journalismus an …
Posted 21 Jul 2008 at 16:40 ¶Die sind gerade mit dem Totbeissen militärischer Befehlshaber beschäftigt …
Posted 21 Jul 2008 at 18:19 ¶Ich empfehle bei weiteren Attacken dieser Art den Fusstritt vorwärts
Posted 22 Jul 2008 at 12:14 ¶Post a Comment