achthufig

In «Ungeduld des Herzens», seinem leider einzigen Roman, beschreibt Stefan Zweig einmal mehr die versunkene Welt der Donaumonarchie. In Zweigs Büchern (und auch manch anderem aus der selben Epoche) stehen die Schönen Wörter dicht an dicht. Eines aus dem genannten Buch gefällt mir besonders gut:

Aber neues Pech: gerade heute steht am Rathausplatz kein Fiaker, ich muss warten, bis man ein achthufiges Gefährt herantelephoniert.
(S. 25)

Der übliche Ausdruck wäre wohl der Zweispänner gewesen, eine Kutsche also, vor die zwei Pferde gespannt werden. Einspänner, Zweispänner, Vierspänner – städtische Gemüter ahnen dumpf, dass die Zahl auch die Anzahl Pferde meint, lesen aber ansonsten darüber hinweg. Anders beim achthufigen Gefährt: Hier wird die Pferdestärke, zu der wir (ich jedenfalls) den Bezug schon länger verloren haben, auf einmal anschaulich. Und zwar nicht über die Zahl, sondern über das Ohr. Vier Hufe hat ein Pferd, und indem es diese abwechslungsweise aufsetzt, zieht es die Kutsche (den Fiaker) vorwärts: Kla-kla-kla-klack. Zwei Pferde sind es, die Zweigs Leutnant zu seiner Begegnung führen. Zwei Pferde und damit acht Hufe, ein achtfaches Klappern auf dem Pflaster, ein achtfaches Stampfen auf der ungeteerten Strasse, leicht synkopiert.

Hören Sie das?

Das ist der Klang der guten Literatur …

Comments 1

  1. Nanina wrote:

    Von Lakonie zu Edelkitsch? :D Vielleicht haben Dich all die kargen Erzähler nach geschmeidigem Sprachschmelz lechzend gemacht? ;)

    Falls das Lechzen gestillt ist und Du ein sehr gutes Buch mit ähnlicher Problemstellung lesen willst:
    Schach von Wuthenow von Fontane (gehört zu meinen Top Ten)…

    Posted 04 Mai 2008 at 19:26

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