Hustengehack

In den Trams und Zügen ist der Winter noch lange nicht vorbei. Kaum haben sich die Türen geschlossen, setzt ein Räuspern und Röcheln ein, ein Schniefen und Schneuzen, ein Chodern und Chrosen. Ein prächtiges Forschungsgebiet für Onomatopoeten, aber eine Nerven- und Hörprobe für Empfindliche. Zum Glück gibts in der literarischen Hausapotheke ein passendes Wort:

Nach wie vor ist die Temperatur bei vier Grad Celsius unter Null angefroren, in der Subway war das Hustengehack einmal lauter als die Fahrt, Tropfnasen und gerötete Augen zeigen deutlich genug das Wetter an, und doch ist es nicht das Thema, das die Damen in der Sauna des Hotels Marseille bewegt.
(Uwe Johnson, “Jahrestage”, S. 541)

Das Hustengehack passt auch im hierarchischen Sinn: Wenn der bellende Rippenfellhuster die keuchende Bronchialhusterin übertönt und nebenbei den Verlegenheitshüstler lächerlich macht, ist das wahrlich eine Hackordnung.

Comments 2

  1. Trithemius wrote:

    Hustengehack, eine Hackordnung des Hustens ist eine witzige Beobachtung. Manche sondern auch ein Husten ab, um ihr Revier zu markieren. Es ist eine Art akustisches Beinheben.

    Posted 26 Feb 2008 at 11:47
  2. Michael Staub wrote:

    Genau. Je leidender, desto besser. Und mit einem wohlakzentuierten Röcheln lässt sich sogar ein fiependes Blackberry übertönen - das ist dann nicht mehr «Krankheit als Metapher», sondern als akustische Waffe ;-)

    Posted 26 Feb 2008 at 20:50

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