Mir hei gseh, dass ä Handligsbedarf besteit, wo itz mues abklärt wärde

Bütschelegg

Weils so schön passt: Idylle mit Kühen, fernab jeder RailCity. Das Bild ist von mir. Nid chlaue stähle, syt so guet!

In seinem NZZ-Artikel «Easy Swiss – oder: Man spricht Deutsch» zieht Walter Boris Fischer gegen die Anglisierung und die Germanisierung des Schwyzerdütsch vom Leder. Seine Argumente gegen englische Importware sind korrekt, aber nicht eben neu:

Im Einzelfall mag es Gründe für das Englische geben. Generell lenkt es aber von der Unfähigkeit ab, kreativ mit der eigenen Sprache umzugehen. (…) Die Verwendung des Englischen zeugt von Bequemlichkeit, mangelndem Selbstwertgefühl und vom Unvermögen, in der eigenen Sprache kreativ zu sein.

Das stimmt durchaus. Doch wer «verantwortet» die Misch(t)sprache im öffentlichen Raum, den Fischer durch die Verklappung englischer Wörter gefährdet sieht? Mit anderen Worten: Wer textet? Eine relativ kleine Gruppe von Sprach-Benutzern, nämlich Werber, Marketing- und Medienbeauftragte. Böse Zungen mögen auch noch die Journalisten der Lifestyle-Beilagen einschliessen. Aber item. Sind diese Gruppen repräsentativ für alle Sprecherinnen, alle Sprecher in der Schweiz? Gottseidank nicht. Sonst könnten des Englischen Unkundige beim Metzger nicht einmal eine Bratwurst kaufen. (Mehr zur Anglizismendebatte hier und hier)

Beim Thema «Hochdeutsch uf Schwyzerdütsch» stimme ich Fischer eher zu. Zum Beispiel bei den Radiostimmen, die uns seit einiger Zeit besprechen:

Etwas anderes ist es, wenn in Radioprogrammen der SRG immer öfters eine Sprache und ein Sprachduktus zu hören sind, die einem den Eindruck geben, den falschen Sender gewählt zu haben. Ohne dies quantifizieren zu können, habe ich den Eindruck, mehr als früher deutsche Stimmen mit gestaltenden Aufgaben zu hören, Stimmen, die sich klar von ihrem Schweizer Umfeld absetzen. Weil unser Sprachduktus ein anderer ist, werden wir sprachlich in eine Aussenseiterposition gedrängt, und Schweizer und Schweizerinnen erscheinen im eigenen Sender als Gäste.

Stimmt das tatsächlich? Ich höre zu wenig gesprochenes (SRG-) Radio, um diese Aussage zu beurteilen. Der deutsche Duktus fällt aber sogar einem Wenighörer wie mir auf, obs nun Radio Zürisee, 24 oder DRS 3 ist. Immer mehr Moderatoren scheinen die Spracheinstellung ihres Gehirns von «Deutsch-Schweiz» auf «Deutsch-Deutschland» zu ändern. Was dann als vermeintlicher Dialekt ins Mikrofon kollert, ist eine üble Mischung von deutschem Satzbau, deutschen Phrasen und einigen Spurenelementen Schweizerdeutsch. Wer schon mal einem Sportreporter auf Radio DRS oder einer Wetterfee von SF TV (früher Fernsehen DRS) zugehört hat, musste hören und fühlen. Und was tun wir dagegen?

Auch wenn die Sprache etwas Lebendiges ist, sollten wir problembewusster und sensibler mit ihr umgehen. Hier ist die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft in die Pflicht zu nehmen. (…) Die Verantwortlichen ignorieren die Tatsache, dass am Anfang der Bemühungen um kulturelle Identität die Sprache stehen müsste.

So endet diese Sprachkritik wie die meisten ihrer Zunft, nämlich mit dem Aufruf, es sollte etwas geschehen. Da werden sich die «die Verantwortlichen» der SRG sicher in die Pflicht genommen fühlen und ihren Moderatoren eine Landsprachschulwoche im tiefsten a) Emmental b) Baaselbiet c) Ürnerland verordnen.

Wer hat eine bessere Idee?

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