Das Gratis-Modeheft «adress» erheiterte mich mit seinem bierernsten Schwurbel auf vielfältige Weise. Es brachte mir zum Beispiel «Manschetten und Krawatten als [den ultimativen] Ausdruck des guten Geschmacks» näher. Es verkündete mir das Evangelium des Heimatkitsches: «Der Gipfel des Matterhorns: Allein sein Anblick ringt uns den Respekt ab, den der Berg verdient hat. Damals, [...]
Wenn alte Sprachclichés im eigenen Saft schmoren, macht Werbung ausnahmsweise Spass. Gestern las ich die folgende Anpreisung für eine Sodamaschine:
Das Aha-Erlebnis.
Neu mit Wow-Effekt.
Ein Wunder, dass es die Ironie bis aufs Plakat geschafft hat. Und für Werbetexter, die ihren Sprachwitz nie ungefiltert ausleben dürfen, schon fast ein Wow-Erlebnis mit Aha-Effekt.
Der deutschen Sprache gehts dreckig. Ihr Wortschatz wird von Anglizismen zersetzt, ihre Sprecher fallen vor Fernsehkameras der Alalie anheim und ihre Grammatik verkommt zum Dativ-Genitiv-Kalauer. Das ist, kurz gesagt, die Haltung der Feuilletons.
Emotionen sind oft konventionell - zumindest in literarischen Formeln. Seit Jahrtausenden gibt es den kochenden Zorn und das homerische Gelächter, den brennenden Neid und das finstere Schweigen. Neuschöpfungen sind selten und oft missglückt. Doch welche schöne Abwechslung serviert uns der Perlentaucher in seinem heutigen Feuilleton-Anriss!
Die «Welt» verteidigt Martin Mosebach gegen seine Verächter und zertrümmert mit [...]
Ende Monat wird der zweite Zürcher Ständeratssitz vergeben. Verena Diener gegen Darth Vader - es gab auch schon erfreulichere Wahlen. Im «Tagi Talk» des «Tages-Anzeigers» hat Diener nun Stellung zu Leserfragen genommen. Zum Beispiel zur Folgenden:
Galladé ist sicher am Puls der Jungen und Jüngeren – was tun Sie für die Jungen? Denken Sie, dass Sie [...]
Eine Arbeitskollegin war gestern an der Vernissage eines Kochbuches. Der Autor ist nicht Koch, aber Semiprominenter und damit ausreichend bekannt. So schien es jedenfalls. In einem sehr grossen Saal einer grossen Buchhandlung fanden sich schliesslich der Autor, die Co-Autorin und sechs Besucherinnen. Und als die einstündige Lesung und die Signierrunde vorbei waren, sassen die acht [...]
Arbeitszeugnisse gehören zu den schwierigen Textsorten. Seit Jahrzehnten streiten sich Personalfachfrauen, Stellenvermittler und Geschasste, ob eine Arbeit nun zur «vollen» oder zur «vollsten» Zufriedenheit erfüllt wurde, ob ein «jederzeit freundliches und korrektes» Verhalten auch noch «angenehm» sein müsste und ob «uncodierte Zeugnisaussagen» tatsächlich eindeutig sind.
Wenigstens ein Punkt ist nicht strittig: Wenn im Zeugnis nicht «bedauert» [...]
Es gibt Menschen, die ohne Frühstück ganze Städte durchwandern. Menschen, die ohne Mittagessen drei Museen besichtigen. Menschen, die ohne Nussgipfel fünfstündige Wanderungen überleben. Diese Menschen leben gefährlich, wenn sie mit einem Blutzuckerschwächling unterwegs sind. Blutzuckerschwächlinge brauchen alle paar Stunden Nachschub, sonst werden sie unausstehlich. Sie verlassen Picasso für ein pain chocolat. Sie tauschen den Blick [...]
Vier Jahre lang hat der Altphilologe Kurt Steinmann an einer Neuübersetzung der Odyssee gearbeitet, Zeile für Zeile, 15 Verse pro Tag. Der «Tages-Anzeiger» widmet dem Übersetzer und seinem Werk einen ganzseitigen Artikel.
Weshalb übersetzt jemand einen so grossen Brocken neu - und dann erst noch in Hexameter? «Alle grossen Werke der Weltliteratur verdienen es, von Zeit [...]
Diphtong oder Diphthong? AGB oder AGBs? Bei korrekturen.de gibts eine Liste beliebter Fehler samt Erklärungen zur richtigen Schreibweise.