Monthly Archives November 2007

Junge, krieg dich ein …

Ein Quallenschwarm hat vor der englischen Küste eine Lachsfarm vernichtet. Darüber berichtet diese Woche auch der «Spiegel» in der Rubrik «Wissenschaft» (Artikel nicht frei zugänglich). Und zwar mit dem folgenden Lead: Vor der Küste Nordirlands massakrierten Leuchtquallen den gesamten Bestand einer Lachsfarm. Nie zuvor fielen die Glibberwesen über so grosse Fische her. Glibberwesen? Massakrieren? Im [...]

Bandwurmsatzrekordverdacht

And now for something completely different: Zwei Sätze aus einer Pressemitteilung der Standeskommission Appenzell Innerrhoden eignen sich für einen Sprach-Workshop. Die Standeskommission nimmt mit Befriedigung vom Bericht und der Abrechnung des Gesundheits- und Sozialdepartementes Appenzell I.Rh. zu dem von den Bezirken Schlatt-Haslen und Appenzell mit Unterstützung eines Beschäftigungsprogramms für Asylsuchende und ausgesteuerte Arbeitslose in den [...]

Lästige Floskeln

Aus der Ausschreibung eines Texter-Kurses bei script, dem schweizerischen Texterverband: Auf der Basis eines Bergs von Beispielbriefen schälst du heraus, was einen Brief spannend macht, was ihn fad macht und wie du lästige und nichts sagende Floskeln los wirst. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt …

Kolumnenbeamter

In einer Flut von Kommentaren zur Kolumnenpandemie in der Schweizer Presse fand ich ein Schönes Wort: Und Max Küng, den ich für sein Buch “Einfälle kennen keine Tageszeit” sehr gelobt habe, ist zum schlimmsten Kolumnenbeamten abgesackt (…). Vor zehn oder zwanzig Jahren, als die Kolumne noch als Meisterstück des Journalismus galt, wäre der Kolumnenbeamte ein [...]

Quasi wie exakt

«Writing about music is like dancing about architecture» sagte jemand. Das wird wohl stimmen. Trotzdem war ich konsterniert, im «Tages-Anzeiger» vom 17. November diesen Satz zu lesen: Dabei spielten [Interpol] nicht nur die recht unverblümt eingängigen Songs wie «Obstacle 1», «C’mere» oder «The Heinrich Maneuver». Wenn ein Song eingängig ist, ist er automatisch unverblümt – [...]

Changezynismus

Im «Tages-Anzeiger» vom 16. November berichtet Annette Müller über den oft fehlenden Enthusiasmus bei Restrukturierungen (Artikel online nicht zugänglich): Die Managementliteratur hat schon viel Papier produziert über Veränderungspro­zesse in Unternehmen, den so genannten Change. «So genannt» trifft den Nagel auf den Kopf. Wenn sich die Mitarbeiter mit dem Geschwafel über «Veränderungsmanagement» und «strukturelle Evolution» nicht [...]

The Importance of Seeming Earnest

Letzte Woche habe ich wieder einmal den «Spiegel» gekauft, der vor einem Jahr unbedingt «dem Deutsch» vor der Strangulation durch Anglizismen retten wollte. Ob dies dem «Spiegel» im redaktionellen Teil gelingt, kann ich als Gelegenheitsleser nicht beurteilen. Im Anzeigenteil ist die Diagnose einfacher: Es gibt subjektiv mehr vernünftige, weil deutsche Slogans: Technik fürs Leben (Bosch) [...]

Geo zur Sprache

Mein Tipp kommt spät und sei endlich nachgeholt:Die Oktober-Ausgabe von «Geo Wissen» ist eine Fundgrube für Sprachmenschen. Das Heft bietet gut recherchierte und geschriebene Artikel über Simultandolmetschen in der EU-Kommission, Aphasie, Grammatik, Spracherwerb bei Kindern, neue Lernformen im DaF-Unterricht, Gebärdensprache, den Sog des Elbischen und vieles mehr (Inhaltsverzeichnis). Dazu gibts auch noch einen Stammbaum der [...]

Lebensgewässer

Auf Ricardo wurde dieser Tage ein Absinth-Wasserbrunnen versteigert. Die deutsche Artikelbeschreibung litt an inhaltlichen Fehlern, überzeugte aber mit sprachlichem Charme: Medaille d’Argent au concours suisse des eaux de vies 2007 Geldmedaille am Schweizer Wettbewerb der Lebensgewässer 2007 Lebensgewässer ist im Moment ein Fachbegriff aus der Aquaristik, könnte aber auch als Wort für Hochprozentiges Karriere machen. [...]

Slim gefittetes Blabla

Das Gratis-Modeheft «adress» erheiterte mich mit seinem bierernsten Schwurbel auf vielfältige Weise. Es brachte mir zum Beispiel «Manschetten und Krawatten als [den ultimativen] Ausdruck des guten Geschmacks» näher. Es verkündete mir das Evangelium des Heimatkitsches: «Der Gipfel des Matterhorns: Allein sein Anblick ringt uns den Respekt ab, den der Berg verdient hat. Damals, heute und [...]