«Plaudern und plappern kann leider jeder», heisst es im Lead eines aktuellen «Magazin»-Artikels. In seiner «Anleitung zum Tischgespräch» (laut Inhaltsverzeichnis) liefert Daniel Binswanger dann seitenweise Betrachtungen, die den Leser eher ungesprächig zurücklassen:
Unbestreitbar ist die Kommunikation mit Worten – vom Bettgeflüster über das Tischgespräch bis zur Parlamentsdebatte – die Matrix allen menschlichen Verkehrs. (…) [Alle] grossen Kulturepochen haben erst im Echoraum der Konversation zu sich selber gefunden. (…)Die Leichtfüssigkeit des Salon-Parlandos wird aus dem philosophischen Gespräch gerade ausgeschlossen. Seither schwebt über jedem Klassenzimmer der Verdacht, philosophischer Tiefsinn sei schon an der Wiege des Abendlandes zur Pedanterie verdammt gewesen. Beim Bekenntnis zu didaktischer Klarheit handelt es sich jedoch auch um eine philosophische Überreaktion. (…)
Anleitung zum Tischgespräch? In der Uni-Mensa vielleicht?
Comments 4
Dafür hat sicher der Stylist ordentlich verdient. (Wieso braucht es einen Stylisten für einen solchen Artikel?)
Posted 03 Dez 2007 at 20:44 ¶Da kann ich nur raten. Vielleicht soll mit den Bildern die verlangte Oberflächlichkeit illustriert werden («Meide jeden forcierten Tiefsinn»). Abzuleitende Regeln für den Gutes-Gespräch-Knigge:
Posted 03 Dez 2007 at 21:12 ¶Das Weinglas am Kelch anfassen (S. 30)
Sich ungefragt auf dem Stuhl der Dame abstützen, auch wenn sie scheu zurückweicht (S. 31)
Das Zigarettenpäckchen gut sichtbar herumliegen lassen (S. 31, 32).
Mit der Gabel herumfuchteln (S. 32)
Mit dem Feuerzeug spielen (S. 31, 33)
»Die Suppe ist heute mal wieder unter aller Sau.«
Posted 04 Dez 2007 at 9:38 ¶»Ja, und das weiße Zeugs da am Boden sind die gehäckselten Servietten von gestern.«
»Du bist ja eklig!«
»Wieso, vom Geschmack her durchaus plausibel.«
… usw.
Gespräche in der Mensa sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. ;-)
Hört sich nach Male Bonding an - und das kann ja ebenso viel bringen wie ein Zweistünder über Adorno …
Posted 05 Dez 2007 at 8:02 ¶(Dass die Kantine um die Ecke neulich ‘Serviettenknödel’ anbot, lassen wir jetzt mal aussen vor.)
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