Ein Quallenschwarm hat vor der englischen Küste eine Lachsfarm vernichtet. Darüber berichtet diese Woche auch der «Spiegel» in der Rubrik «Wissenschaft» (Artikel nicht frei zugänglich). Und zwar mit dem folgenden Lead:
Vor der Küste Nordirlands massakrierten Leuchtquallen den gesamten Bestand einer Lachsfarm. Nie zuvor fielen die Glibberwesen über so grosse Fische her.
Glibberwesen? Massakrieren? Im Ressort «Wissenschaft» von «Bil …», äh des «Spiegels»? Mit der Hoffnung, der Produzent habe bloss einen langweiligen Artikel aufpeppen wollen, lese ich weiter:
Das Killerkommando vom Ausmass einer biblischen Plage machte sich ans Werk und brachte Finsternis und Verheerung (…) Binnen kürzester Zeit [wurden] 100 000 Lachse dahingemetzelt (…) Bisland hatten die schleimigen Plagegeister bevorzugt Badegäste (…) terrorisiert (…) Dass sich die Invasoren [bis vor die Küste Englands] vorwagten, wurde als augenfälliger Beweis für den Klimawandel interpretiert (…) Wenn [die Strömung] die Glibberwesen einmal fortträgt, gibt es kein Halten mehr - die giftigen Glitscher [können nicht] gegen die Strömung anschwimmen (…) So konnten die Übelquallen (…) gar nicht anders, als den Lachsen zum Verhängnis zu werden (…) Werden die feines Sinneshärchen auf ihren Glibberärmchen durch Kontakt stimuliert, gerät automatisch eine unaufenthaltsame Mordmaschinerie in Gang (…) Ihre Folterwerkzeuge rammen die Medusen [automatisch in ihre Beute] (…) an den Dornen ist ein Nesselschlauch befestigt, über den die Quallen einen Giftcocktail absondern Blitzschnell zerstören solch toxische Salven Blut- und Muskelzellen eines Fischs (…)
Hunderttausend Höllenhunde! Wer die nächsten Sommerferien ohne Feuerunterstützung der Marine bucht, fällt womöglich einer «unaufenthaltsamen» Mordmaschinerie zum Opfer. Und wer den «Spiegel» ohne kugelsichere Weste liest, der Finsternis und Verheerung des schlechten Journalismus.
Comments 8
Ganz klare Indizien: Der Autor ist bei der Recherche vor Ort mit den hirnzersetzenden Giften dieser kruden Killerquallen kontaminiert worden!
Posted 29 Nov 2007 at 19:51 ¶Recherche vor Ort? Schön wärs …
Posted 29 Nov 2007 at 20:52 ¶Sie meinen, die Kontamination ist auch ohne direkten Kontakt möglich? Grosser Gott!
Posted 29 Nov 2007 at 22:26 ¶Gelesen - oder nur überflogen hatte ich´s auch. Aber dass das Ding so krude formuliert war trotz des seriösen Hintergrundes, ist mir leider gar nicht aufgefallen.
Posted 30 Nov 2007 at 11:32 ¶Wahrscheinlich zu viel in Blogs unterwegs, das scheint die Sprache der Generation Umhängetasche / Praktikum mir so normal.
Nebenbei _ Ihre Seite gehört zu meinen neuen Favoriten, Danke für die Arbeit!
MfG
Seeblicker
@ Commentatore
Posted 30 Nov 2007 at 13:22 ¶Und das erstaunt sie? Bei Giftglitschern mit Glibberärmchen reicht doch schon der Gedanke für einen toxischen Schock.
@ Thomas Fuegner
Generation Umhängetasche merk ich mir. Und danke für das Lob.
Apocalypse wow!
Posted 30 Nov 2007 at 16:47 ¶@ M.Staub: “Besuchsväter der Generation Umhängetasche” ist von H. Schmidt.
Posted 02 Dez 2007 at 23:14 ¶Aber wissen Sie, , das musste ich neulich an Sie denken, was “wuppen” ist?
Wuppen ist (fast) nur als Geschenk erhältlich, reflexiv in der Form “etwas gewuppt bekommen” - etwas gelingt einem aufs Vortrefflichste!
Ich finde, das klingt - flott!
So, wie Sie hier Ihre Seite machen,…
Ja, die Umgangssprache verdiente ihr eigenes Weblog. Vielleicht sollten Sie eine eigene Wortsammelstelle eröffnen oder das Wuppen mal beim Kompetenzteam einstellen, damits nicht verloren geht. Hier in Zürich kriegen die Schweizer nichts gewuppt, üben sich aber im Steigern mit «anders» (sprich: «anderrsch»). Zum Beispiel bei unübertrefflichen Musikstücken. Die sind dann «andersch geil».
Posted 03 Dez 2007 at 19:59 ¶Post a Comment