Emotionen sind oft konventionell - zumindest in literarischen Formeln. Seit Jahrtausenden gibt es den kochenden Zorn und das homerische Gelächter, den brennenden Neid und das finstere Schweigen. Neuschöpfungen sind selten und oft missglückt. Doch welche schöne Abwechslung serviert uns der Perlentaucher in seinem heutigen Feuilleton-Anriss!
Die «Welt» verteidigt Martin Mosebach gegen seine Verächter und zertrümmert mit eichenbüfetthafter Wucht die ganze Moderne gleich mit.
Keine normale, also gewaltige Wucht, sondern eine eichenbüfetthafte. Dieses Bild müssen wir nicht durch den Metaphern-Decoder drehen, bevor es uns einleuchten kann. Im Eichenbüfetthaften liegen die gedrechselte Schwere der Bürgerlichkeit, der Muff der Möbelpolitur, das ängstliche Klirren der Butzenscheibchen. Vielleicht hängt sogar noch ein Hauch von Eierlikör und Häkeldeckchen daran. Wer ein solches Wort auf den Kopf kriegt, ist so gründlich zertrümmert dass er fortan nur noch als fragmentarische Post-Moderne durchgeht.
Perlentaucher, gebt uns mehr davon!
(Dank für den Hinweis an Nanina)
Comments 6
Wortreich, ich bin süchtig nach Deinen Wörtern! Könntest Du sie bitte etwas häufiger liefern? ;-)
Posted 04 Nov 2007 at 13:57 ¶Ich tu mein Bestes ;-). Aber die wirklich schönen Wörter sind halt selten - gerade deshalb sind Zusendungen willkommen. Falls du also neben deinem Glassammelcontainr 2.0 etwas Zeit hast …
Posted 04 Nov 2007 at 14:21 ¶Leider bin ich momentan voll damit beschäftigt, die Content Providers für den GSC 2.0 zu kreativeren Inhalten zu bewegen. Immer nur Glasflaschen, das wird niemals öffentliches Interesse wecken. Bisher wirkt allerdings weder Zuckerbrot noch Peitsche. Sie befürchten, als Abfallsünder blossgestellt zu werden.
Posted 04 Nov 2007 at 14:56 ¶Eine schwierige Situation. Eigentlich müssten es deine CP schätzen, dass du den proprietären Glasflaschen-Standard in die Tonne trittst. Aber innovationsresistente Benutzer sind ein bekanntes Problem. Ich empfehle einen Sensibilisierungsworkshop oder das Rebranding zu einem kurzen, knappen Containr 2.0
Posted 04 Nov 2007 at 15:23 ¶Am besten beides gleichzeitig! So kann ich den CPs den Eindruck vermittlen, dass Containr 2.0 etwas nie Dagewesenes ist, nicht im Entferntesten verwandt mit einem althergebrachten Glassammelcontainer. Dass Containr 2.0 ihnen den Segen der Demokratie bringt - plötzlich sind ihre individuellen Inhalte gefragt. Sie sind nicht mehr Teil einer anonymen Glassammelcontainerfüllergemeinschaft. Nein, ab sofort sind sie Teil einer aufregenden “Gemeinschaft von unabhängigen Glassammelcontainerfüllern”, die keinem Machthaber mehr unterstehen. Vielleicht werden sie dann etwas mutiger.
Posted 04 Nov 2007 at 16:16 ¶Das tönt gut. Beim Vergleich mit der Blogger-gegen-Journalisten-Diskussion fällt mir noch ein wichtiger Punkt ein. Versäum nicht, ab und zu auf die Arroganz der bisherigen Gatekeeper (Entsorgung & Recycling Zürich) zu verweisen, die jetzt unbedingt und sofort durch User Generated Content weggespült werden müssen, weil sich deine Content Provider nicht länger von vermeintlichen Experten vorschreiben lassen, was sie zu tun haben.
Posted 04 Nov 2007 at 17:37 ¶Post a Comment