Auf dem realen Lebensboden

Ende Monat wird der zweite Zürcher Ständeratssitz vergeben. Verena Diener gegen Darth Vader - es gab auch schon erfreulichere Wahlen. Im «Tagi Talk» des «Tages-Anzeigers» hat Diener nun Stellung zu Leserfragen genommen. Zum Beispiel zur Folgenden:

Galladé ist sicher am Puls der Jungen und Jüngeren – was tun Sie für die Jungen? Denken Sie, dass Sie die Bedürfnisse der Jungen verstehen und vertreten können?
Meine beiden Töchter sind im ähnlichen Alter wie Chantal Galladé. Ich weiss, dass diese Generation Frauen mit den Füssen auf dem realen Lebensboden stehen und ihre Mitverantwortung tragen. Meine politische Arbeit richte ich immer auch auf die Verantwortung kommender Generationen aus.

Himmel, Frau Diener. Spielen Sie Ueli Maurer doch nicht derart in die Hände! Muss es gleich ein Dreifachpleonasmus sein? Erstens stehen die meisten Menschen mit den Füssen auf dem Boden (Ausnahme: Kopffüssler). Zweitens reicht der Boden statt des esoterischen Lebensbodens (Gibt es einen Todesboden?). Drittens ist der Boden, auf dem wir stehen, ob nun mit den Füssen oder mit dem Kopf, sowieso real. Und dann wollen Sie auch noch, dass kommende Generationen die Verantwortung für Ihre Politik, pardon, politische Arbeit übernehmen?

Ist das nun harmloser Schwurbel und damit auch harmloses Gemecker über diesen Schwurbel? Ich fürchte nein. Wenn die Unentschiedenen dem vermeintlichen Klartext einer SVP den Vorzug geben, werden wir ganz schön hart auf dem realen Lebensboden landen. Und zwar nicht mit den Füssen, sondern mit dem Kopf.

Comments 4

  1. jessn wrote:

    Nun ja, Frau Diener ist ja nicht die/der Einzige in der Politik, die/der mit Pleonasmen oder sonst unmöglichen Wortgebilden um sich wirft. Ich erinnere mich an unseren Alt-BR Cotti: “meine ich, glaube ich, sagen zu dürfen….” WAM hat das immer perfekt nachgeahmt. Diener scheint mir für Mitte - Links einfach die bessere Wahl zu sein, damit wenigstens ein kleines bisschen Hoffnung besteht, dass das (oberschwarze?) “Hanf”-Schaf U.M. keinen “Eintrittsjubel” haben kann.

    Posted 01 Nov 2007 at 17:23
  2. Michael Staub wrote:

    Stattgegeben. Aber würde man Dieners Namen nicht etwas freudiger auf den Wahlzettel schreiben, wenn sie Klartext spräche?

    (Politik und Klartext - eine Frontalkollision, ich weiss)

    Posted 02 Nov 2007 at 10:55
  3. jessn wrote:

    Diejenigen, die mit Klartext umgehen können: sicher, unbedingt sogar! Leider sind deren wenige gesät. Apropos Klartext: Lass mich ein Kompliment machen. Dein Blog gefällt mir ausserordentlich gut. Ich wünsche mir noch viele interessante Beiträge von Dir. (Ich hoffe doch, Du bist einer der Wenigen, die mit Klartext umgehen können. :-))
    Auf ein freudiges Wiederlesen.

    Posted 02 Nov 2007 at 14:44
  4. Michael Staub wrote:

    Merci für dieses klar getextete Kompliment - damit kann ich gut umgehen ;-).

    Posted 02 Nov 2007 at 17:07

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