Es gibt Menschen, die ohne Frühstück ganze Städte durchwandern. Menschen, die ohne Mittagessen drei Museen besichtigen. Menschen, die ohne Nussgipfel fünfstündige Wanderungen überleben. Diese Menschen leben gefährlich, wenn sie mit einem Blutzuckerschwächling unterwegs sind. Blutzuckerschwächlinge brauchen alle paar Stunden Nachschub, sonst werden sie unausstehlich. Sie verlassen Picasso für ein pain chocolat. Sie tauschen den Blick auf die Akropolis gegen ein Souvlaki. Sie stürzen sich auf Bäckereien und Supermärkte. Und rechtfertigen ihr Verhalten mit Sätzen wie «Jetzt muss ich unbedingt essen, sonst werde ich aggressiv».
Für diesen gefährlichen Zustand habe ich jetzt endlich ein Adjektiv gefunden:
[Wir waren] im Hof des Löwenbräuareals und standen Schlange. Wir waren da schon ziemlich hungerbös. Und hey, wenn wir hungerbös sind, dann kommt uns besser keiner krumm. Wenn wir hungerbös sind, dann werden wir zu Apache-Kampfhubschraubern.
(Max Küng, «Einfälle kennen keine Tageszeit», S. 278)
Wenigstens sind hungerbösen Helikopter einfach abzurüsten: Eine Zuckerbombe in den Tank, und die Stadtwanderung kann weitergehen.
Comments 2
Hübsch. Aber Blutzuckerschwächling gefällt mir mind. ebenso gut.
Posted 16 Okt 2007 at 11:50 ¶Er gefällt mir auch. Aber er ist nicht ganz korrekt. Wie mir ein Experte mal gesagt hat, spürt unsereins höchstens den Hunger. Den wirklich tiefen Blutzucker gibts nur bei Diabetes.
Posted 16 Okt 2007 at 19:27 ¶Trackbacks & Pingbacks 1
[...] Aufgelesen im Wortreich [...]
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