Vier Jahre lang hat der Altphilologe Kurt Steinmann an einer Neuübersetzung der Odyssee gearbeitet, Zeile für Zeile, 15 Verse pro Tag. Der «Tages-Anzeiger» widmet dem Übersetzer und seinem Werk einen ganzseitigen Artikel.
Weshalb übersetzt jemand einen so grossen Brocken neu - und dann erst noch in Hexameter? «Alle grossen Werke der Weltliteratur verdienen es, von Zeit zu Zeit neu übersetzt zu werden», meint Steinmann. Nicht nur die Zielsprache wandle sich im Lauf der Zeit, auch das philologische Wissen wachse ständig. Im gedruckten Artikel, nicht jedoch in der Online-Version, lässt sich dies nachprüfen: In der Übersetzung von Johann Heinrich Voss (1781) wird der Kyklop noch als «gottloses Ungeheuer» bezeichnet. Bei Steinmann ist er «der Riese, der Gesetze nicht kannte».
Die neue Odyssee wird vom Manesse-Verlag in einer «Prachtausgabe» herausgegeben und kostet 70 Euro. Wer den Preis übertrieben findet, mag sich beruhigen: Die Lektüre dient auch der Gesundheitsförderung. Laut einer Studie der Universitäten Bern und Witten/Herdecke ist das Rezitieren von Hexametern gut fürs Herz.
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