Die heutige Aufmachergeschichte von «20 Minuten» beweist: No news is good news. Die «Story» in einem Satz: Mutter mit Kind wird wegen Stillens aus einem «Trendlokal» rausgeworfen, schreit Zeter und Mordio, solidarische Mütter veranstalten im «Trendlokal» ein Massen-Stillen. Punkt, das wars. Was uns in der Printausgabe die folgende Schlagzeile beschert:
Kampfstillen: Mütter stürmen Trendlokal
Kampfstillen. Das ist erstens eine schlechte Nachbildung des «Kampftrinkers». Zweitens ein Oxymoron (das Stillen beruhigt, das Kämpfen nicht). Drittens verwirrlich (Kämpfe werden geschlichtet, gestillt werden Kinder oder Blutungen). Und viertens einfach hässlich. Aber warum genau?
Es gibt Wörterpaare, die sich nicht miteinander vertragen: «Manager» und «Lohngerechtigkeit», «Sahara» und «Eisbär» oder «Mütter» und «Krieg». Dachte ich jedenfalls. Bei «20 Minuten» vertragen sich die Mütter gut mit dem Krieg. So gut, dass sie analog zu den embedded journalists als eingebettete Mütter zu bezeichnen wären. Eine Kostprobe aus dem Artikel:
Aufmarsch zum grossen Protest-Stillen: Eine Gruppe von rund 20 Müttern stürmte gestern mit ihren Kindern die trendige Lakeside-Lounge.
Kurz vor 16 Uhr wälzte sich gestern die fröhliche Prozession lärmender Babys und Kinderwagen vor sich herschiebender Mütter Richtung See. Ihr Ziel: die Lakeside-Lounge. Ihre Mission: «Mal schauen, wie die dort reagieren, wenn wir alle gleichzeitig auspacken», sagt Initiantin Yasmin Y. und stemmt die Faust in die Hüfte.
Welch martialische Sprache! Da klirren die Schnuller, poltern die Windeln, donnern die Babyrasseln. Denn das Kampfstillen ist sicher bloss der Anfang. Wann unterrichtet uns «20 Minuten» über die neuen Durchbrüche an der Kinderfront? Ein paar passende Headlines gäbe es ja:
Kampfkochen: Mütter stürmen Breifabrik
Kampfspielen: Mütter robben durch den Sand
Kampfwickeln: Müttern stinkts
Comments 5
Stille Protest durch Proteststillen? Unmöglich. Ist Kampfstillen nicht zugleich auch Kampftrinken? Wenn kein Säugling trinken mag wird auch nicht gestillt. Der Sieger wird durch Applaus, eerm, Lautstärke des Bäuerchens bestimmt.
Posted 16 Aug 2007 at 0:15 ¶Wenn ich das Kampftrinken richtig verstehe, geht es um den Kampf gegen das Sättigungsgefühl (hier wären wir beim inexistenten Gegenteil von “Durst”). Säuglinge trinken dagegen nur, bis sie genug haben. Mehr geht nicht rein. Das Kampfstillen scheint also auch physiologisch absurd. Oder wie sehen das die Experten?
Posted 16 Aug 2007 at 8:00 ¶Wir sind nicht Stiller. Oder ähnlich.
Posted 16 Aug 2007 at 13:26 ¶Seltsam, seltsam. :)
Anatol Ludwig Kampfstiller - das tönt aber auch schief.
Posted 16 Aug 2007 at 13:38 ¶Wenigstens war er in Spanien dabei :)
Posted 16 Aug 2007 at 14:28 ¶Post a Comment