Arrieregarde

In meiner Sommerlektüre stiess ich dieser Tage auf ein hübsches Wort:

Die Abteilung wurde von einer Avantgarde und einer Arrieregarde gesichert. Seitwärts, rechts und links von der Marschkolonne ritten Patrouillen, und die Offiziere suchten das bebuschte Gelände immer wieder mit Gläsern ab. Besonders der Schwanebach. Dem schien das Glas unter die Stirn gewachsen zu sein.
(Uwe Timm, “Morenga”, S. 48)

Eigentlich logisch, dass es neben der Avantgarde (Vorhut) auch eine Arrieregarde (Nachhut) gibt. Doch während die Avantgarde auch heute noch gerne bemüht wird, ist es um die Arrieregarde still geworden. Zu Unrecht! Sie bietet sich als willkommener Gegenpol zum ständigen Vorwärtshetzen an. Wer sich genötigt sieht, seine Vorliebe für die Entschleunigung oder einen nicht mehr ganz zeitgemässen Buchgeschmack zu verteidigen, kann künftig ganz einfach sagen: «Avant moi le déluge - ich gehör zur Arrieregarde».

Comments 2

  1. Nanina wrote:

    Danke!
    Das ist unendlich hübsch… Sollte man wirklich einführen!

    Posted 19 Jul 2007 at 18:40
  2. Michael Staub wrote:

    Vor allem in Zürich. Auch wenn ich vermute, dass sich die Avantgarde irgendwann einmal zur Arrieregarde bekennen würde, weil es dann halt avantgardistisch ist, nicht mehr zur Avantgarde zu gehören. Worauf sich die ursprünglichen Arrieregardisten natürlich genötigt sähen, wieder zur Avantgarde zu wechseln. Das Spielchen kennen wir ja bereits von der Mode und “individuell interpretierten Trends”. ;-)

    Posted 20 Jul 2007 at 9:30

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