sitzbegierig

Peter Schneider beschäftigt sich in seiner heutigen «Leben»-Kolumne mit dem Sitzen im öffentlichen Verkehr an («Tages-Anzeiger», online nicht frei zugänglich). Sein Fazit: Die knappen Plätze in Tram und Bus fördern nicht bloss das Territorialdenken, sondern auch das Selbstbewusstsein der transportierten Personen. Es gebe, meint Schneider, einen «spontanen Widerstand» gegen die Absicht, «sich als SBB-Kunde von vornherein als von einem Ort zum anderen zu transportierendes Batteriehuhn zu betrachten, das sich ängstlich auf seinem bezahlten Einzelplatz zusammenkauert und demütig der nachdrängenden anderen Hühner harrt.» Dass manche Hühner Mitreisende zwar zusätzliche Plätze mit Taschen, Unterlagen und dergleichen belegen, aber auf Nachfrage meist gleich freiräumen, honoriert Schneider mit einem neuen Adjektiv:

Die Tendenz, sich auszubreiten, mag manchmal etwas autistische Züge tragen, sie ist aber nicht notwendigerweise ein unfreundlicher Akt. Und weitaus öfter als wadenbeissige Platzverteidiger (…) sind mir bis jetzt Leute begegnet, die auf die Frage, ob ein Platz noch frei sei, bereitwillig und sogar mit einem ermunternden Lächeln ihre Siebensachen für meinen sitzbegierigen Hintern beseite geräumt haben.

Gut gegackert. Wer sich beim ewigen «Ischächdanofrei» nicht mehr zuhören mag, kann jetzt zur Abwechslung auch einmal auf seinen sitzbegierigen Hintern verweisen.

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