Blümerante Prämierung

Nun ist das «schönste bedrohte Wort» also gekürt: «Kleinod» heisst der Gewinner, gefolgt von «blümerant» und dem «Dreikäsehoch». Auf «Spiegel Online» berichtet Bodo Mrozek, Herausgeber der beiden «Bedrohte Wörter»-Bücher, über die Jurierung.

Anfang Jahr hatte ich hier bereits kurz über den Wettbewerb geschnödet. Mein Unbehagen ist geblieben. Denn was wird jetzt mit den paar herausgepflückten Wörtern geschehen? Vermutlich nicht mehr als eine kurze Scheinblüte in Sparkassenwerbespots, Schachtelkäsereklamen und Partymagazinen. Aber finden die zehn Gewählten deshalb den Weg zurück in die Umgangssprache? Kaum. Und das ist auch gut so. Schleppten wir immer noch die alterthümlichen Vocabeln des achtzehnten Jahrhunderts in unserem Wortschatz mit, fänden wir keinen Platz für die heutigen Neologismen. Unter diesen finden sich nämlich nicht nur Müllwörter, sondern auch - SCNR - Kleinodien.

Comments 2

  1. Chat Atkins wrote:

    Schade - jetzt darf ich also Westerwelle nicht länger ein ‘Kleinod’ der deutschen Politik nennen, nicht mehr sagen, dass es mir beim Anblick Schorsch Dabbeljuhs ganz ‘blümerant’ wird, und auf Dieter Bohlen werde ich den Ausdruck ‘Dreikäsehoch’ auch nicht mehr anwenden können. Verstieße ich nämlich gegen dieses amtliche Sterbedekret, stürben diese Wörter ja nicht aus.

    Posted 17 Jun 2007 at 15:01
  2. Michael Staub wrote:

    Ach was, Power User dürfen alles. Mich persönlich stört nur, dass die vermeintliche «Rettung» dieser nicht mehr mainstreamtauglichen Wörter ihr Schicksal als Füllvokabeln besiegeln wird.
    Im Übrigen habe ich letzte Woche festgestellt, dass die Todgeweihten im Schweizer Sprachgebrauch durchaus nicht exotisch sind. Falls du also mal wieder richtig blümerant sein willst, setz dich einfach in den ICE ;-).

    Posted 17 Jun 2007 at 15:15

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