Unentgeltliche Bezahlung

Die Generation Praktikum wird auch in der Schweiz beschäftigt. Von Lohnzahlungen ist selten die Rede - von «Herausforderungen» dagegen oft. Die «Herausforderung» für die Inseratetexter liegt darin, die Gratisarbeit möglichst elegant zu verkaufen. Ein missglücktes Beispiel finden wir auf der Website von Ringier:

Praktikum als Grafiker/-in 100% beim ‘heute’
Die Abendzeitung ‘heute’ bietet Ihnen eine Schnuppermöglichkeit als Grafiker/-in an. Voraussetzung sind Grundkenntnisse im Quark X-Press (InDesign), Photoshop, PC (Mac).Während 6-10 Wochen haben Sie die Möglichkeit, aktiv dabei zu sein, wenn eine Zeitung entsteht. Die Bezahlung ist unentgeltlich.

In diesem Satz ächzt die Logik: Wenn die Bezahlung unentgeltlich ist, handelt es sich entweder um ein Paradoxon (eine Bezahlung schliesst immer ein Entgelt ein) oder um einen Denkfehler. Es gibt schliesslich keine Firma, die ihren Angestellten eine Gebühr für die Lohnüberweisung verrechnet. Ehrlicher und klarer wäre die Aussage:

Bezahlung: keine

Aber so plump möchte ja niemand werden.

Comments 7

  1. martin wrote:

    Wieso kann sich Ringier nicht leisten, alle Mitarbeiter zu entlöhnen?

    Posted 09 Jun 2007 at 11:06
  2. Michael Staub wrote:

    Hmm … weil der Sozialplan für die «Cash»-Mitarbeiter so teuer ist?

    Posted 09 Jun 2007 at 11:23
  3. martin wrote:

    … fehlt bloss noch, dass die NZZ Praktikanten für “Mund-zu-Mund-Propaganda” sucht (gestrige Ausgabe, S. 32). Igitt!

    Posted 09 Jun 2007 at 14:16
  4. ramses101 wrote:

    Die Nummer kenne ich.

    (Ex)-Kunde: “30% Fruchtsaft klingt so negativ. Können Sie das nicht positiv formulieren?”

    Ich: “Das klingt nicht negativ, das ist negativ. Wenn Sie was Positives lesen wollen, produzieren Sie vernünftigen Saft.”

    Posted 12 Jun 2007 at 13:55
  5. Michael Staub wrote:

    Worauf der (Ex-) Kunde zweifellos fand, DU seist negativ …

    Posted 12 Jun 2007 at 15:13
  6. ramses101 wrote:

    Ich glaube, das Wort das er benutzt hat, war “gehässig”.

    Posted 13 Jun 2007 at 18:41
  7. Michael Staub wrote:

    Das warst du ja auch, oder? Schliesslich wäre die positive Formulierung so einfach gewesen: «Nur 70% Nicht-Fruchtsaft!»
    ;-)

    Posted 13 Jun 2007 at 21:36

Trackbacks & Pingbacks 1

  1. From medienlese.com » Blog Archiv » medienlese - der Wochenrückblick on 10 Jun 2007 at 20:28

    [...] Die Gratiszeitung Heute schickte eine in einen Kuchen eingebackene Feile an Paris Hilton, die dieser Tage ab und zu im Gefängnis weilt. Weil aber die mit dem Transport beauftragte Firma FedEx keine Beihilfe zu einer möglichen Flucht bieten wollte, zerstörte sie das Paket. Weiter klärte die Zeitung über einen ungenannt bleibenden, aber offenbar in vielen Köpfen wuchernden “Irrtum” auf, der irgendwie irgendwas mit Katzen zu tun haben muss, die auf vier Pfoten landen. Falls jemand Heute nicht kennen sollte: Es ist die Zeitung, die ihren zukünftigen Mitarbeitern “unentgeltliche Bezahlung” anbietet. [...]

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *