Begrifflichkeit

Neulich, im Zug, eine Diskussion zwischen A und B:

A: Das ist doch nicht Kultur.
B: Doch, doch.
A: Was bitte hat das mit Kultur zu tun?
B: Das ist eine Frage der Begrifflichkeit

Früher reichte es noch, vom Kulturbegriff zu sprechen (vgl. dazu unbedingt Franz Hohlers Geschichte) – aber was solls. Wer etwas auf sich hält, übt ja längst keinen Beruf (oder eine Beruflichkeit) mehr aus, sondern eine Profession. Und wer immer noch naiv von Problemen und Themen spricht statt von Problematiken und Themenkreisen, hatte im Schwurbelkurs wohl einen Fensterplatz.

Doch wozu noch meckern? Dieter E. Zimmer hat in seiner «Wortlupe» bereits mit der Begrifflichkeit abgerechnet:

[Zur Begrifflichkeit bzw. Gesetzlichkeit:] Warum ein falsches und obendrein unverständliches Wort an dieser Stelle? Ich schätze: Wichtigtuerei. Begriffe und Gesetze hätte dem Kommentator wahrscheinlich zu einfältig geklungen – so könnte das ja jeder sagen. Und der Plural ist doch auch immer imposanter als der Singular. Am Anfang waren halt die Wörtlichkeiten, und die Wörtlichkeiten waren bei Gott, und Gott war die Wörtlichkeiten, Amen.

Comments 3

  1. Chat Atkins wrote:

    Dieser Schwurbel ließe sich jederzeit zum höchst anspruchsvollen Megaschwurbel steigern: ‘Am Anfang waren die Wörtlichkeitfindungsprozesse. und die Wörtlichkeitfindungsprozesse waren bei Gott. Und Gott war die Wörtlichkeitsfindungsprozessentwicklungsstrategie …

    Warum Menschen bloß glauben, sie wären beeindruckend, wo sie doch bloß unverständlich sind?

    Posted 20 Mai 2007 at 16:23
  2. ramses101 wrote:

    Weil Unverständliches tatsächlich beeindruckend ist. Die wenigsten Menschen haben jedenfalls das nötige Rückgrat, den hübschen Satz “kann ich das bitte nochmal auf deutsch hören?” auch einzusetzen.

    Die halten lieber die Klappe und sich selbst für doof.

    Posted 22 Mai 2007 at 15:00
  3. Michael Staub wrote:

    @ Chat:
    Da fällt mir doch auf, dass du nach wie vor «Gott» schreibst. Lässt dich das nicht zu «gottartiger Wesensheit» oder wenigstens «Gottheit» steigern? So geht es nun wirklich nicht!
    ;-)
    @ Ramses:
    Oder wenigstens: «Kann ich das nochmals IN Deutsch haben».

    Posted 22 Mai 2007 at 19:15

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *