Die 1. Mai-Krawalle in Zürich bringen viel Sachschaden und ein kurioses Verb:
Die Zürcher Polizeidirektorin Esther Maurer zeigte sich befriedigt über die hohe Zahl der Verhaftungen. Es gehe darum, gewaltbereite Menschen zu deanonymisieren, sagte sie.
(Quelle: Tages-Anzeiger»)
Wie so viele Verben wäre deanonymisieren gleichzeitig als Schönes und als Schlimmes Wort zu klassieren. Neben der orwellschen Konnotation könnte es ja auch positive Bedeutungen tragen («Die Mietkasernen werden deanonymisiert»). Doch mehr als diese formalen Überlegungen beschäftigt mich im Moment die ungünstige Phonetik. Wer sagt zehn Mal ganz rasch «Deanonymisieren»?
Comments 5
In der Tat ein Euphemismus aus der Orwellschen Schublade. Deanonymisieren = registrieren und fichieren. Wurde übrigens schon bei der bei der Berichterstattung zum Entscheids der Staatsanwaltschaft Zürich verwendet, das Verfahren in Sachen Altstetten einzustellen.
Posted 01 Mai 2007 at 22:26 ¶Das Wort scheint auch bei der Enttarnung von Agenten verwendet zu werden. Was ein richtiger Schlapphut ist, lässt sich eben auf beide Seiten drehen …
Posted 02 Mai 2007 at 7:58 ¶Deanonymisierung vermutlich deshalb, um solche unappetitlichen Figuren dann in die verdiente Vergessenheit zu stoßen …
Posted 02 Mai 2007 at 11:26 ¶Mich freut an diesem Wort die Deanonymisierung der Züricher Polizeidirektorin. Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Sprache den Sprecher entlarvt.
Posted 05 Mai 2007 at 12:46 ¶Und das gerade in der Politik. Kollega Wörterblog hält den passenden Buchtipp bereit:
http://woerter.germanblogs.de/archive/2006/11/25/14jk1bmdeibph.htm
Posted 05 Mai 2007 at 14:05 ¶Post a Comment