Bundesrat Moritz Leuenberger bloggt seit knapp zwei Wochen. Bei Moritz’s Blog unter der Lupe werden seine Beiträge in die Jugendsprache übersetzt. Statt «Liebe Netzgemeinde» heisst es «Liebe Michi-Grinde», und die «Diskussionen im Parlament» werden zu «Fights», bei welchen die Vorlage «eis i d Frässe bechunnt». Doch der anonyme Übersetzer beschränkt sich nicht auf das Auswechseln von Wörtern, sondern macht klar, worum es wirklich geht. Die Diskussion um die CO2-Abgabe liest sich im Original zum Beispiel so:
In der Tat bringen uns die geplanten Gaskraftwerke in ein grosses Dilemma. Der Bundesrat ist der Meinung, wir brauchen sie, damit die Schweiz ausreichend mit Strom versorgt wird. Andererseits produzieren sie CO2, sind also klimaschädlich. Verbieten wir sie, werden sie doch gebaut, aber jenseits unserer Landesgrenzen. (Im Vergleich zu den heutigen Kohlekraftwerken z.B. in Deutschland sind sie weniger klimaschädlich.) Klimapolitisch fällt es aber überhaupt nicht ins Gewicht, wo das CO2 in die Atmosphäre entweicht.
In der Version für die Jugend wird deutlich, worum es wirklich geht:
Es isch voll so, dass die huere Gaskrafwärk es huere Schissdräck sind. De Bundesrat isch de Meinig das mir sie bruched sie, damit mir i de Schwiiiz gnug Strom händ. Anderesiets produziered sie CO2 und schlönd so eusere Umwält i d’Frässe. Wenn mer sie verbütet, werdets eifach bi dene Italos oder Franzose oder Dütsche baut. Klimapolitisch isch es so schiesse glich wo de CO2 d Umweltverschmutzt, eusi krass Atmosphäre isch trotzdem am verrecke.
So machen Übersetzungen Spass.
Comments 4
Sorry, aber was soll daran spassig sein? Soll diese grobe Sprache irgendwie etwas verdeutlichen, was man sonst nicht mitgekriegt hätte?
Posted 26 Mrz 2007 at 22:13 ¶Ja, das soll sie, aber eben für die Zielgruppe. Und so weit ich es beurteilen kann, tut sie das auch. Wenn ich “der Jugend” zuhöre, spricht sie jedenfalls näher bei der Übersetzung als beim Leuenberger-O-Ton.
Posted 27 Mrz 2007 at 8:36 ¶Kann sein, kann auch nicht sein. Wer ist denn schon “die Jugend”, die Du selbst in Anführungszeichen setzest? Diese Sprache ist gewalttätig, und das finde ich nicht akzetabel.
Posted 27 Mrz 2007 at 12:43 ¶Dass diese Figuren immer Erfolg mit plattem Anbiedern gleichsetzen - und dazu noch von der anvisierten Zielgruppe kein Bild, sondern nur eine Karikatur im Hinterkopf haben.
Posted 27 Mrz 2007 at 12:52 ¶Post a Comment