In der «Welt» bespricht Hendrik Werner den Wettbewerb, mit dem «das schönste bedrohte Wort» gekürt werden soll. Nun sind Schöne Wörter, ob bedroht oder nicht, eine Geschmackssache. Und ein offiziell gekrönter Anachronismus erst recht. Vor allem, wenn er zur Vermeidung seines natürlichen Todes künstlich beatmet wird. Was aber nützt der deutschen Sprachgemeinschaft ein beglaubigtes Retro-Wort, für das sie - tempora mutantur - leider keine Verwendung mehr hat?
Ein ähnliches Unbehagen hat vielleicht auch den zweifelnden Werner befallen, der abschliessend meint:
Was bleibet aber, stiften die Dichter. Wer liest, wird sich auch fürderhin seinen sprachlichen Reminiszenzen hingeben können. Das stimmt von A bis Z tröstlich: anheischig, bannig, Cagot, dalli, ehern, fetzig, garstig, hurtig, inkommodieren, Jahresendflügelfigur, knorke, Lümmeltüte, Mumpitz, Nietenhose, Ostpaket, pardauz, Quetschkommode, Remmidemmi, Schweinesystem – wir blenden uns an dieser Stelle aus.
Mit anderen Worten: Was die bewusste Sprachbewahrung mit viel Aufwand zum Teil erreichen könnte, schafft die Literatur schon längst. Und das erst noch nebenbei.
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