Monthly Archives Januar 2006

lammbrav

Im MAGAZIN vom 28. Januar hält Ursula von Arx ein Pläydoyer für den teilfiktionalen Dokumentarfilm «Grounding». Dabei fasst sie auch zusammen, was alles schief ging, bevor die Swissair am Boden blieb:
(..) Fehler. Noch mehr Fehler. Und ein Verwaltungsrat, der alles lammbrav absegnet (…).
In alten, staubigen Büchern hiessen derartige Verwaltungsräte noch lammfromm. Doch damals stand die [...]

Treuhandarbeiterin

Aus dem «Stellen-Anzeiger» vom 24. Januar 2006:
Per sofort gesucht im Seefeld: Treuhandarbeiterin (40%) mit KV-Abschluss, ev. Treuhanderf. Bew. an Postfach sowieso, 8034 Zürich.
Treue Handarbeiterinnen (ev. vom Kanton Zürich verstossene Handarbeitslehrerinnen) dürfen sich melden.
PS «Treuhandarbeiterin» ist tatsächlich ein Neologismus, mit dem bei Google kein einziges Ergebnis erzielt wird. Jedenfalls bis dieser Beitrag indexiert worden ist.

Bündener Getrennt Schreibung

Googles Adwords sind die Spielwiese der Hobby-Texter. Sie sind, wie ich vor einiger Zeit hörte, frei betextbar und deshalb voll und ganz der sprachlichen Willkür ihrer Käufer ausgeliefert. Also auch den falschen Helvetismen. Die «Kantonalpolizei» hatten wir schon. Nun kommen die «Bündener Spezialitäten» dazu – es fehlen bloss noch die «Baseler Leckerlis.»
Nun gut, Renzo Blumenthal [...]

Neugiermuskel

Im Gespräch mit der ZEIT äussert sich Karen Heumann, Strategiechefin der Werbeagentur Jung von Matt, über Individualität, Kreativität, Rollenbilder und einiges mehr (Ausgabe vom 19. Januar 2006, online nicht frei zugänglich). Das häufigste Wohnzimmer Deutschlands (vgl. «extravertiert») entpuppt sich als ihre Idee. Frau Heumann sieht dieses
«als Fitnessübung für unsere Trainees, damit der Neugiermuskel trainiert wird.» [...]

herzgesund

Die WOZ widmet sich in ihrer Ausgabe vom 19. Januar unter anderem dem Phänomen des Functional Food (auch so ein schönes deutsches Wort).
Offenbar dürfen makrobiotisch aufgebohrte Joghurts nicht als Medikamente (bzw. Heilmittel) bezeichnet werden. Stattdessen weisen die Nahrungsmittelkonzerne in erstaunlichen Worten auf den «Zusatznutzen» ihrer Produkte hin. Ein Beispiel ist Unilever, dessen Becel-Margarine als
ideal für [...]

Kantonalpolizist

In einem amüsanten, aber auch beunruhigenden Artikel in der ZEIT schildert Peter von Becker zwei Erlebnisse in der Servicewüste. Unter anderem geht es um ein liegengelassenes Mobiltelefon, welches am Schluss dank eines Kantonalpolizisten wieder gefunden wird.
Ein Wort, das den Monarchen ins Grübeln bringt. Dass der Zürichsee nicht der Züricher See ist, dürfte hinlänglich bekannt [...]

Gewaltsame Herausforderung

Online-Redaktionen sind einfache Ziele. In der Hektik des Aktualisierens sind Fehler schnell passiert (vgl. «Kritik auslössen»), über welche der Monarch meist gnädig hinwegsieht. Wenn sich ein solcher Verschreiber aber auf der Redaktion der alten Tante ereignet, soll sie an ihren eigenen strengen Massstäben gemessen werden.
Halten wir fest: Eine Herausforderung ist abstrakt. Sie hat weder [...]

Ein Reduplikationspleonasmus!

Der ordinäre Pleonasmus, also der bekannte weisse Schimmel, ist inzwischen jedem Schulkind bekannt. Mehr Wissen, mehr Können und (vielleicht) auch mehr gutgelaunte, vokaaalstreeeeeckeeeendeee Radiomoderatorenunart verlangt der dreifache Pleonasmus, den der DRS-Sportreporter Bernhard Schär diesen Mittag auf DRS3 über einen Skisportler namens Haller ergoss:
«…und är hofft itz natürlech, är chönn sich nach vorne vüreverbessere»
(Für unsere deutschen [...]

extravertiert

In der Samstagsausgabe des «Tages-Anzeigers» werden schwedische, italienische und französische Stuben von den Korrespondenten unter die Lupe genommen («Den Nachbarn in die Stuben geschaut», S. 45). Zudem wird das «häufigste Wohnzimmer der Schweiz» vorgestellt, ein Projekt der Werbeagentur Jung von Matt/Limmat, das bereits letzten Herbst einiges an PR generierte.
Im Zusammenhang mit dem «typischen», weil [...]

Desperate Journalists

Anscheinend hat die erste Staffel der Desperate Housewives das Weihnachtsgeschäft der DVD-Verkäufer gerettet. Der heutige «Tages-Anzeiger» widmet dieser Tatsache gleich eine halbe Seite im Wirtschaftsteil. Und haut kräftig daneben.
Die sprachlichen Schnitzer beginnen schon im Titel: «Vier Hausfrauen retten DVD-Markt». Ach ja? Den Media Markt in Dietikon oder gar einen sympathischen DVD-Laden um die Ecke? Gerettet [...]