Rhythmusbegeistert

Wie beschreibt man gute Stimmung? Allzu oft mit hilflosen Phrasen, wie das Nightfever-Glossar der Pendlerblogger zeigt. Da geht die Party «voll ab», es laufen «fette Bässe» oder «gnadenlose Beats». Eine vorgestanzte, lieblose Sprache soll uns da in Stimmung bringen, eine Häufung leichenstarrer Phrasen. In der Regel macht dieser Jargon nicht Lust auf Party, sondern aufs Umblättern.

Und wie beschreibt man den Drang zum Tanzen? Meistens mit dem Schlimmen Wort «Tanzwut», das an die Tollwut erinnern will und doch gänzlich unlustig ist. Schluss damit! Im «Anzeiger für den Bezirk Affoltern» finden wir unter dem Oberstufen-Disco-Partypicture das passende Wort:

Dicht gedrängt bei Reggae, Rock und Technosound. Besonders die Mädchen erwiesen sich als rhythmusbegeistert

Ein astreiner Neologismus mit einem einzigen Google-Treffer und ein Schönes Wort obendrein: Es ist einfach, verständlich und normal zu deklinieren - was man von «abdancen» nur schwer behaupten kann. Und im Gegensatz zur öden Tanzwut kommt sogar die Freude an der Musik zum Ausdruck. Zum Tanz bitte!

Comments 2

  1. A.S. wrote:

    Wirklich ein schönes Wort, wenn auch nicht ganz so frisch und selten, wie Sie vermuten: berücksichtigt man alle Flexionsformen, kommt man auf 353 Treffer (und da sind Rechtschreibfehler wie rythmusbegeistert und rhytmusbegeistert noch nicht berücksichtigt, die noch einmal 88 Treffer liefern). Zum Vergleich: die “vorgestanzten” gnadenlosen Beats bringen es gerade mal auf 99 Treffer.

    Posted 30 Dez 2006 at 0:06
  2. Michael Staub wrote:

    Danke für die Ergänzung - Sie haben naürlich recht. Ich habe die Google-Syntax für Verschreiber und Flexionen notiert und werde beim nächsten potenziellen Neologismus auch die «falschen» Formen mitzählen..

    Posted 30 Dez 2006 at 10:25

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