Der Komparativ ist eine hübsche Einrichtung. Mit ihm lassen sich selbst sinnfreiste Sachverhalte zur vollsten Selbstzufriedenheit beschreiben. Doch manche Steigerungen sind zwar grammatikalisch möglich, aber semantisch problematisch. Ein Beispiel dafür finden wir in der heutigen Ausgabe des «Tages-Anzeigers». Leserbriefschreiber H. K. aus Zürich meint:
Der leider viel zu früh verstorbene US-Avantgarde- Künstler Frank Zappa betrachtete Musik als steten Kommentar zur Gesellschaft. Zappas Ansicht bestätigt sich im heutzutage populären Gangsta-Rap aufs Deutlichste, denn dort wird einfach nur Neoliberalismus in seiner nacktesten und konsequentesten Form exerziert.
Die nackte Form würde wohl genügen. Denn während die ausdrückliche Betonung der Nacktheit in vielen Sprachen möglich ist (stark naked, splitternackt, complètement nu), dürfte es schwieriger sein, nackter als nackt zu sein. Es sei denn, die nackteste Form des Neoliberalismus verzichte auf Haut und Fleisch und zeige sich nur mehr als grinsender Knochenmann («Springet mit mir in diesen Kreysz», wie es in Niklaus Manuels Totentanz heisst).
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[...] Wenn das Leben, Lieben und Sterben nicht mehr existenziell, sondern existenziellstens sind, ist wohl irgendwas schiefgelaufen. Das ist die nackteste Wahrheit. Schlagwörter: Superlativ, Schwurbel [...]
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