Das «Tagblatt der Stadt Zürich» berichtet in seiner Ausgabe vom 21. November über den Zürcher Anglizismenwahn (Artikel online nicht frei zugänglich). Für Auswärtige: In Zürich wird nicht zu Mittag gegegesen, sondern geluncht, und natürlich verlangt auch kein Chef mehr nach einer kurzen Zusammenstellung, sondern nur noch nach einem One-Pager. Wenigstens lässt sich diese Unsitte jetzt überzeugend benennen. Der Zürcher Hype um smarte Ausdrücke heisst laut «Tagblatt» ganz einfach «Zwinglisch». Dies ein Zusammenzug aus «Zwingli» und «English», der sogar lautlich Sinn ergibt.
Der Monarch freut sich über dieses hübsche Wort mit bloss 119 Google-Treffern. Denn falls ausnahmsweise der religiös-reformatorische Zusammenhang gemeint ist, lässt sich ja immer noch das bewährte «zwinglianisch» verwenden (782 Treffer).
Eine Frage allerdings bleibt offen. Weshalb gibt es überhaupt diesen ungesunden Hang zu scattered words, deren contamination in schweren Fällen den ganzen Dialekt zersetzt? Das «Tagblatt» berichtet:
«Die Englisch-Beisterung der Zürcher hängt mit der Internationalität der Stadt zusammen», sagt Maurus Lauber von Zürich-Tourismus. Zürcher kämen oft in Kontakt mit dem Englischen und würden daher auch englische Wörter in ihre Sprache einbauen. «Auf dem Land hört man eben viel weniger Fremdsprachen.» Eine andere Theorie lautet dagegen, dass sich die Zürcher mit ihrem «Zwinglisch» grossstädtischer geben wollen, als sie es eigentlich sind.
Vielleicht sollte Herr Lauber wieder mal aufs Land fahren.
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