In seiner heutigen Ausgabe berichtet der «Tages-Anzeiger» über die Wölfe im Zürcher Zoo. Das Besondere: Einmal pro Monat dürfen die Viecher durch das Tigergehege streunen. Die ungewohnte Umgebung, die zahlreichen Duftspuren und wohl auch das Wissen, ungestraft beim Nachbarn herumschnüffeln zu dürfen, sorgen für grosse Aufregung. Und zwar bei den Wölfen wie auch bei den Tigern (die während des Wolf-Besuchs aber ausgesperrt bleiben). Nun hat ein zoologischer Fachbegriff (?) die Aufmerksamkeit des Monarchen geweckt:
Der Lebensraum der Wölfe im Zoo ist begrenzt und vermittelt den Tieren eine Vertrautheit. Diese bricht der Zoo auf, indem er überraschende Geruchsspuren einbringt: Kot von anderen Tieren (gestern wars Elefantenkot), Parfüm, Gewürze oder Äste aus fremden Gehegen. Das nenne man Lebensraumbereicherung. Letztlich gehe es um eine Optimierung der Haltungsbedingungen, erklärt Zoodirektor Alex Rübel.
Die Lebensraumbereicherung ist ein gestelztes Kompositum und damit ein Schlimmes Wort. Doch immerhin eignet sich der Ausdruck für die Sozialarbeitersprache. Deviantes Sozialverhalten wie z. B. Littering, überlaute Musik im Tram und das Bepinkeln von S-Bahn-Perrons lässt sich ohne weiteres zur unerwünschten Lebensraumbereicherung zusammenfassen.
Ist die Zoologensprache hier unangemessen? Der Monarch findet: Nein. Bei unser aller Gedrängtheit im öffentlichen Raum geht es längst nicht mehr um die inviduelle Freiheit. Sondern nur noch um die Optimierung der Haltungsbedingungen.
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