«Zürich ist gebaut», lautet das berühmte Zitat von Ursula Koch, der erfolglosen früheren Stadtbaumeisterin. «Zürich wird gebaut» scheint das Motto der aktuellen Stadtregierung zu sein. Hochhäuser will sie sehen, auch hässliche oder an den Instanzen vorbeigemogelte.
Bei so grossem Höhendrang verlieren die Baumeister im Stadtrat zuweilen auch den sprachlichen Boden unter den Füssen. Dies besonders, wenn eines der hübschen neuen Projekte scheitert. Zum Beispiel der geplante Migros-Badepark auf dem Hürlimann-Areal. Zugegeben: Auf dem Dach eines denkmalgeschützten Sudhauses im lauen Wasser zu planschen tönt nach echter Lebensqualität. Doch wenn das Projekt wegen fehlender Parkplätze absäuft, muss man im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» nicht gleich die Semantik versenken:
Dass das «Superprojekt nicht zu Stande kommt», bedauert Tiefbauvorsteher Martin Waser (SP). Die Stadt habe alles unternommen, damit Zürich zu einem Thermalbad komme.
«Wir haben uns gerade so weit aus dem Fenster gelehnt, um juristisch nicht auf den Boden zu fallen», versichert er, «stets den Anspruch vor Augen, geltendes Recht nicht zu brechen.»
Ein arger Purzelbaum, Herr Waser. Der falsche Begehrsatz ist das Eine (Richtig wäre: «… so weit aus dem Fenster gelehnt, wie wir können, ohne rauszufallen»). Das Andere ist das missglückte Ringen um sprachliche Anschaulichkeit. Wir stellen uns vor, wie sich der Stadtrat aus dem Bürofenster lehnt, nur Millimeter von einem Fenstersturz entfernt. Und kurz vor seiner Stirn, also vor Augen, dann das moralische Baugespann, nämlich der Anspruch, geltendes Recht nicht zu brechen. Ja was denn? Biegen? Dehnen?
Zürich wird gebaut. Mal mehr, mal weniger. Und Stadtrat Waser stählt seine Armmuskeln.
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Wenn ein Mensch «Tiefbauvorsteher» ist – hierzulande sagt man übrigens «Tiefbauversteher» dazu – wenn also ein solcher Mann gewohnt ist, gedankenschwer vor Baugruben herumzustehen, dann fehlt ihm schon mal jede Einsicht in Thermalbäder weit oben unterm Dach juchhe. Denn er ist schließlich kein Hochbauversteher. Das also ist erstens schon mal klar.
Wir konstatieren: Da ist ein Mann, der qua Amt von nichts Höherem keine Ahnung nicht hat. Der verlässt trotzdem sein gewohntes Terrain an der verbalen Sickergrube, klettert grammatisch Treppen, bis ihm die Luft ausgeht, und lehnt sich dann weit oben aus dem Fenster, wo er von seiner rhetorischen Veranlagung her gar nicht hingehört. Klar, dass da ihm wie auch seinem Satzbau schwindlig werden muss, obwohl er trotz seiner Höhenangst unbeirrt und machomäßig den Anspruch hochhält, «nicht zu brechen», was wir Norddeutschen, direkt wie wir sind, uns mal mit «nicht zu kotzen» übersetzen.
Was ist daran nicht zu verstehen? Der Mann ist einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Oder der falsche Mann …
Posted 24 Sep 2006 at 19:22 ¶Post a Comment