Der Shopping-Moloch Sihlcity wird als erstes Schweizer Einkaufszentrum über eine Kirche bzw. einen Andachtsraum verfügen (Bericht im «Tages-Anzeiger«). Die drei grossen Zürcher Kirchgemeinden haben kundgetan, mit diesem ungewöhnlichen Angebot «näher zu den Menschen» aufrücken zu wollen. Und die sind bekanntlich häufiger im Konsumtempel anzutreffen als im Münster.
Im «Tagblatt der Stadt Zürich» vom 12. Juli (online nicht frei zugänglich) lesen wir nun ein interessantes Interview mit Christine Grünig, Verbandspräsidentin der reformierten Kirchgemeinden, welches interessante Einblicke in die theologische Fachsprache erlaubt:
Wieso glauben Sie, dass die Leute nach der Arbeit oder dem Einkaufen noch in die Kirche gehen?
GRÜNIG: Weil man so die Gelegenheit hat, für einen Moment die Seele baumeln zu lassen. Oder für jemanden zu beten. Ausserdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass die niederschwelligen Seelsorgeangebote einem ganz grossen Bedürfnis entsprechen.
Noch niederschwelliger wäre wohl nur eine Drive-Thru-Kirche. Doch lassen wir das Spotten. In wenigen Jahren wird sich anhand der Besucherzahlen zeigen, ob die Shopper den Crossover zwischen Materialismus und Seelenheil schaffen. Auf den Einkaufszetteln stünde dann wohl: Kopfsalat, Schuhe, zwei Liter Milch, CD-Rohlinge, Segen …
Comments 4
Warum nicht in jeder Shopping Mall einen kleinen “God-Shop” eröffnen. Unter ökumenischer Regie natürlich, wegen der Kosten. Für die Katholiken gäbe es dort eine kleine “Instant Beichte” (Sünde auswählen, zwei Fränkli einwerfen, Hebel ziehen, Quittung entnehmen), die Protestanten könnte die “Bibel als Hörbuch” begeistern, vielleicht gelesen von Günther Jauch.
Posted 15 Jul 2006 at 13:06 ¶Instant-Ablass im Shoppingcenter? Hört sich nach einem guten Geschäftsmodell an …
Posted 15 Jul 2006 at 13:52 ¶warum nicht gleich ausgebildete priester an die kasse stellen, die die einkäufe mit weihwasser besprühen (haben sie schon einen ablass-pass?) und über jedem kunden persönlich das kreuz schlagen?
Posted 18 Jul 2006 at 12:58 ¶Obacht, Melville, Weihwasser und Kreuzschlagen sind katholisch konnotiert. Das unterliefe also glatt die angestrebte Ökumenie.
Posted 18 Jul 2006 at 15:16 ¶Post a Comment