Wir kennen ihn von Anwaltskanzleien, Messeständen und hoffnungsvollen Event Managern. Seit einiger Zeit treibt der Partner nun auch in Liebesbeziehungen sein Unwesen. Zugegeben: Wenn Menschen jenseits des iPod-Grabens von ihrem Freund oder ihrer Freundin sprechen, müssen ihre Gesprächspartner in Erinnerung an die eigenen Schulschätze zuweilen ein Grinsen unterdrücken. Aber muss die Alternative denn wirklich der ökonomietheoretisch reine Partner sein?
Das diffuse Unbehagen, das mich in solchen Fällen jeweils packt, fand ich letzten Donnerstag im «Tages-Anzeiger» trefflich beschrieben. In einer seltenen (und unbedingt wiederholwürdigen) Anwandlung befand die Redaktion nämlich, die Zumutungen der modernen Sprachwelt in einer Sammlung von Aperçus ihrer Redaktor(inn)en zu beschreiben. Unter dem Titel «Reden Sie noch oder kommunizieren Sie schon?» findet sich auch eine Missfallenskundgebung zum Partner, die integral zu zitiert werden verdient:
Ein Königreich für Missverständnisse ist die Liebe. Entsprechend delikat ist die Wortwahl, und entsprechend gefährdet sind Herzensangelegenheiten für Schönfärbereien. Wenden wir uns dem Partner zu, dem ohne «Lebensabschnitt» davor. Das in Zürich gerne benutzte Wort klingt nach Vertrauen, nach Achtung, ist aber nichts anderes als die noble, sterile Verpackung für die hundskommune Zweierkiste. Oder es ist ein blutarmes, liebesleeres Synonym für den Schatz und andere mögliche und unmögliche Kosenamen. Planen zwei aber die Gründung einer Liebes-GmbH, ja dann ist Partner genau der richtige Ausdruck.
(Marcel Reuss)
Comments 3
Was für den “Partner” gilt, das gilt beispielsweise auch für den “Service”. Ist auch nicht mehr - wird aber unentwegt so verstanden.
Gruß an ein schönes und wichtiges Blog.
P.S.: Sagt ihr in der Schweiz wirklich “Redaktor”?
Posted 10 Jul 2006 at 22:26 ¶«Service» im Singular? Das sprechen wir hierzulande französisch bzw. schweizerdeutsch aus und meinen damit die Arbeit im Gastgewerbe («Er/sie arbeitet im Service»). Aber wenns englisch und inhaltsfrei sein darf, gibts ja immer noch die Services. ;-)
«Redaktor» ist in der Schweiz weit verbreitet, wenn auch gesellschaftlich etwas weniger angesehen als der «Reaktor».
Posted 11 Jul 2006 at 15:27 ¶Die Schweiz und der hohe Norden unterscheiden sich wohl doch etwas:
Wo jemand im - französisch ausgesprochenen - “Service” arbeitet, da höre ich förmlich das Porzellan klirren, während mein Blick nach dem Handfeger sucht, um die Scherben zusammenzukehren. Dieser Ausdruck hat zugleich etwas altbaksch Bourgeoises: “Herta, seien Sie doch vorsichtig mit dem teuren Service!”.
Aber “Service” - englisch ausgesprochen - ist die Regel. Noch das kleinste Provinzkrankenhaus rühmt hier an der Küste seinen “guten Service” - und zwar im Singular. Allerdings kann ich auch im “Service” auf der Autobahnraststätte arbeiten, selbst das würde aber “Ssörwiss” ausgesprochen.
Spricht dagegen jemand pluralistisch von “Services” oder “Goods & Services” dann schließe ich auf einen Angeber, der sich seiner Amerika-Erfahrungen rühmen will. Oder eben auf einen dieser durchgeknallten Marketing-Fuzzis, der mit den neuesten Kokain-Vokabeln protzt …
Posted 11 Jul 2006 at 17:59 ¶Post a Comment