Kaffeehausaufsuchkrankheit

Es gibt Wörter, die Schönes beschreiben, aber am Ende nur noch für Schlimmes benützt werden. Und es gibt Wörter, die für Schlimmes gedacht waren, sich aber trotzdem auch für Schönes eignen. Dazu gehört die Kaffeehausaufsuchkrankheit, von Thomas Bernhard in seinem Buch «Wittgensteins Neffe» geprägt.

Aufgrund empirischer Beobachtungen kann ich bestätigen, dass die Kaffehausaufsuchkrankheit in ebenso häufiger wie hartnäckiger Form bei nahezu allen Wien-Besuchern diagnostiziert werden kann. Eine Therapie ist nicht nötig.

Und jetzt trotzdem noch der O-Ton:

(…) Ich habe (…) gerade weil ich [das Wiener Kaffeehaus] gehasst habe und gerade weil ich es immer gehasst habe, in Wien immer an der Kaffeehausaufsuchkrankheit gelitten, mehr unter dieser Kaffeehausaufsuchkrankheit gelitten als an allen anderen. Und ich leide, ehrlich gesagt, auch heute noch unter dieser Kaffeehausaufsuchkrankheit (…)
Ich habe die Wiener Kaffeehäuser immer gehasst, weil ich in ihnen immer mit Meinesgleichen konfrontiert gewesen bin, das ist die Wahrheit und ich will ja nicht ununterbrochen mit mir konfrontiert sein, schon gar nicht im Kaffeehaus, in das ich ja gehe, damit ich mir entkomme, aber gerade dort bin ich dann mit mir und mit Meinesgleichen konfrontiert. Ich ertrage mich selbst nicht, geschweige denn eine ganze Horde von grübelnden und schreibenden Meinesgleichen. (…)

Wien-Special

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