Waffenlauf

Das helvetische Deutsch ist trotz 15 Jahren Tauwetter immer noch militarisiert. Der Arzt schickt ein Aufgebot, der Arbeitskollege muss beim Chef antreten, und die Schreiner einer mir bekannten Werkstatt bezeichnen das allen zugängliche Werkzeug als Kompaniematerial. Ganz zu schweigen von den ergrauten, längst aus dem Wehrdienst entlassenen Herren, welche zum Beispiel bei Papiermangel die Drucker aufmunitionieren oder Dateien auf USB-Sticks abspitzen wollen.

In dieser säbelrasselnden Wortlandschaft ist der Hinschied einzelner Worte ein begrüssenswertes Ereignis. Die «NZZ am Sonntag» widmet heute dem sterbenden Waffenlauf eine ganze Seite und weist darauf hin, dass sich der Dachverband der Waffenläufer auflöse. Mit dem baldigen Sterben der Sportart sei deshalb zu rechnen.

Es dürfte nicht mehr allzu lange dauern (zehn Jahre? fünfzehn?), bis auch das zugehörige Wort eine neue Ruhestätte findet. Begleiten könnten es z. B. die aus der Wehrpflicht entlassenen Kameraden

Wehrwille
Landigeist
Soldatentum

welche längst von neuen, ebenso schrecklichen Unwörtern wie Selbstmordattentäter oder asymmetrische Kriegführung verdrängt worden sind. An kriegerischen Worten wird es uns nie mangeln. Leider.

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