Eines der eher mittelmässigen Asterix-Alben heisst «Der grosse Graben». Dieser Graben, welcher symbolisch für die Berliner Mauer steht, wird überwunden, und das gallische Traumpaar findet dank Asterix’ und Obelix’ Kuppel-Diensten zusammen.
Im Gegensatz zu «20 Minuten» bietet die «NZZ am Sonntag» keine Comics an. Dafür berichtet sie in ihrer heutigen Ausgabe auch über einen grossen Graben. Dieser klafft zwischen den gesellschaftlichen Anforderungen ans Sozial- und Balzverhalten einerseits und den gänzlich uncoolen, weil menschlichen Anlehn-Sehnsüchten der Zürcher Singles andererseits («Das Herz im Tresor. Nirgends sei es schwieriger, jemanden kennen zu lernen, als in Zürich, sagen Singles. Ein Frontbericht.»). Das Management Summary für Eilige: Jemanden zu finden, der zu einem passt, ist ganz schön schwierig.
Doch wenden wir uns der Sprache zu. Einer der drei Schauplätze des Frontberichts, die Plaza-Bar, wird nicht als Bar oder Lokal charakterisiert, sondern tatsächlich als
ein angesagter Szene-Treff
Man mag es der NZZ ja zugestehen, dass sie das Wort Szene benutzt, das letztlich nichts weiter als ein gut klingendes Feigenblatt für «irgendwelche Leute» ist. Für das Unwort angesagt ist allerdings der linguistische Kerker bei Wasser und «20 Minuten» angebracht. Das Adjektiv gehört auf die andere Seite des grossen Grabens, der früher zwischen Qualitäts- und Schundjournalismus klaffte. Am Besten in eines der bunten Magazine, die ihre Leserschaft siezen, zur Hälfte aus Werbung bestehen und ganz stolz darauf hinweisen, dass man sie abonnieren könne.
Nachtrag I Wer auch über angesagte Sausen schreiben können möchte, werfe einen Blick auf das Nightfever-Glossar des Pendlerblogs.
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[...] Früher taten es bloss die Zeitschriften für Mode, Ausgehen und Style. Heute tut es sogar die «NZZ am Sonntag»: Sie beschäftigt Korrektoren, welche das Schlimme Wort angesagt wegen eines Sekundenschlafs nicht erkennen und ungelöscht auf die Druckpresse gelangen lassen. [...]
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