unklug

«Unkluger Umgang mit dem Rentenvermögen» titelte der «Tages-Anzeiger» letzte Woche und erfreute damit den Monarchen, der sich bei der Zeitungslektüre mit zahllosen langweiligen, weil übertrieben häufig benützten Adjektiven herumschlagen muss. Gerade im Zusammenhang mit Börsengeschäften ist da oft von Projekten zu lesen, die katastrophal oder gar verheerend fehlgeschlagen sind. Welche Wortkaskaden rauschen da nicht durch die Spalten! Und wie gering ist an diesen unheilschwangeren Tagen doch der Unterschied zwischen Wirtschafts- und Politikbund!

Charmant also, dass die Abschlussredaktion von einem Sprachmenschen vorgenommen wurde. Denn unklug enthält auch ein feines Urteil über die Verwalter jener Pensionskassen, ohne sie gleich zu beleidigen.

Nachtrag I: In den Bussen der Städtischen Verkehrsbetriebe (jetzt zwecks grösserer Klarheit «Bern mobil» genannt) befand sich Anfang der achtziger Jahre immer noch ein Schild mit der Aufschrift: «Es ist unklug, mit dem Chauffeur zu sprechen.» Also nicht einfach plump verboten, sondern unklug. Täusche ich mich, oder fehlt den heutigen Verkehrsbetrieben tatsächlich diese gewisse Finesse?

Nachtrag II: Ein Auszug aus dem Artikel «Auf der Elektrischen» von Robert Walser, erschienen im Prosaband «Feuer»:

Es ist dem Schaffner verboten, sich mit den tit. Fahrgästen zu unterhalten. Wie aber, wenn Verbote umgangen, Gesetze überschritten, Mahnungen so feiner und menschenfreundlicher Natur überschritten werden? Eine Plauderei mit dem Kondukteur verspricht die reizendste Erholung (…)

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