Neugiermuskel

Im Gespräch mit der ZEIT äussert sich Karen Heumann, Strategiechefin der Werbeagentur Jung von Matt, über Individualität, Kreativität, Rollenbilder und einiges mehr (Ausgabe vom 19. Januar 2006, online nicht frei zugänglich). Das häufigste Wohnzimmer Deutschlands (vgl. «extravertiert») entpuppt sich als ihre Idee. Frau Heumann sieht dieses

«als Fitnessübung für unsere Trainees, damit der Neugiermuskel trainiert wird.»

Kann Neugier überhaupt muskulös sein? Ist sie nicht ihrem Wesen nach sprunghaft, zaghaft, unzuverlässig, überraschend, unberechenbar, launisch, verwirrend – also genau das Gegenteil eines Muskels? Und bringt es etwas, Neugier zu trainieren? Müsste Neugier nicht bloss geweckt werden, worauf sie als Selbstläufer funktioniert?

Sprachphilosophische Fragen, für die Frau Heumann, aber auch die ZEIT-Journalistin die falschen Ansprechpartnerinnen sind. Denn letzere scheint die hippe Werbesprache gleich kreativ weiterverwerten zu wollen und schreibt einige Absätze später:

Schon als Kleinkind trainiert Karen ihren Markenmuskel, wofür es genauer Beobachtung bedarf.

Vermutlich antworte ihr Schreibmuskel auf dieses Unwort kurz nach Redaktionsschluss mit einem Schreibkrampf.

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