extravertiert

In der Samstagsausgabe des «Tages-Anzeigers» werden schwedische, italienische und französische Stuben von den Korrespondenten unter die Lupe genommen («Den Nachbarn in die Stuben geschaut», S. 45). Zudem wird das «häufigste Wohnzimmer der Schweiz» vorgestellt, ein Projekt der Werbeagentur Jung von Matt/Limmat, das bereits letzten Herbst einiges an PR generierte.

Im Zusammenhang mit dem «typischen», weil durchschnittlichen Sofa wird auch auf dessen Farbe eingegangen. Das «heitere Hellblau» sei

«Eine beinahe gewagte, extravertierte Farbwahl (…)»

Extravertiert? Ich muss gestehen, dass mir das Wort bisher nicht bekannt war. Doch es existiert tatsächlich, und zwar als gleichberechtigtes Synonym zum gebräuchlichen extrovertiert.

Extro = Extra?

Hübscher als die Synonym- wäre die Steigerungsform: Normalo, extro, extra. Vielleicht leistet extravertiert dereinst gute Dienste zur Bezeichnung von besonders extrovertierten Menschen. Die sind in Zürich bekanntlich einiges häufiger anzutreffen als im standardisierten Schweizer Durchschnitt.

Comments 5

  1. Nina wrote:

    Was sagt Wahrig?
    “extrovertiert: fälsch. für extravertiert”
    Der Fremdwörterduden lässt beide zu, denjenigen denen die Wurzeln der Sprache nicht völlig egal sind (und Du scheinst Dich für so jemanden zu halten!) sollten die lat. Wurzeln ansehen. “extrovertiert” ist in diesem Sinne eine sehr lustige Neuwortschöpfung.
    Also in Zukunft weniger Spracharroganz (wir Schweizer sollten sowieso vorsichtig sein…) und im Zweifelsfall etwas nachschlagen!

    Posted 27 Jan 2006 at 19:51
  2. Michael Staub wrote:

    Nun, wer den Duden als Richtschnur nimmt und bei pasenden Gelegenheiten «RTFM» ruft, wird in meiner Monarchie nicht so recht glücklich werden. Mir gehts aber nicht darum, immer gleich im Wörterbuch nachzuschlagen, sobald mir ein Sprachkuriosum über den Weg läuft – und für die fehlerfreie Abhandlung grammatikalischer Spezialitäten ist der Zwiebelfisch sowieso die bessere Adresse.

    Warum «wir Schweizer sowieso vorsichtig» sein sollten, leuchtet mir auch nicht ein. Schliesslich ist der Gebrauch der Sprache nicht an ein bestimmtes Bürgerrecht gebunden.

    Posted 29 Jan 2006 at 19:15
  3. Bernd Huckenbeck wrote:

    Umgangssprachlich kann man etwas “extra” machen, ohne eine Zusatzleistung zu erbringen, selbst wenn man extra vertiert ist, sich aber keinesfalls dabei verbiestern lässt. Wie sagten schon die alten Griechen: errare humanum est. (Natürlich nur, wenn sie Latein konnten!)

    Posted 17 Okt 2007 at 13:28
  4. Michael Staub wrote:

    Und heute würden wir wohl eher extravertere statt errare nehmen …

    Posted 17 Okt 2007 at 15:44
  5. Bernd Huckenbeck wrote:

    Dem Straßenbaumeister aus Leer
    fiel Außer-Sich-Sein ziemlich schweer.
    Er wünschte nur, bald
    gäb’s wieder Asphalt,
    auf dass er was extra verter.

    Posted 08 Nov 2007 at 9:10

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